Der 1. FC Köln ist wieder da

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Nach zwei Jahren Abstinenz hat es der 1. FC Köln wieder geschafft, in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Mit einem neuen Trainer und einem neuen Sportmanager schaffte man den Schritt, den man ein Jahr zuvor schon verpasst hatte, obwohl die Vorrausetzungen nicht unbedingt schlechter waren als zu dieser Saison. Inside 11 analysiert, woran es lag, dass die Kölner in diesem Jahr den Sprung in das deutsche Oberhaus geschafft haben und blickt auf das System Stöger.

Dem Abstieg folgt der Umbruch

Vor zwei Jahren stieg man ab, trotz eines herausragenden Lukas Podolski (an fast drei Viertel der Tore direkt beteiligt). Dies lag hauptsächlich an der Abwehr, die unter Trainer Solbakken vernachlässigt wurde, denn mit 75 Gegentreffern hatte man mit großem Abstand die schlechteste Abwehr der Liga. Zwar konnten die Kölner mit Geromel, Riether und Brecko gute Abwehrspieler vorweisen, jedoch war die Mannschaft zu sehr auf die Offensive bedacht, sodass man dem Gegner in der Defensive viel Platz für Kombinationen gab, die zu einer Vielzahl an Gegentreffern führten. Hinzu kam am Ende der Saison der Abgang des Prinzen und somit stand der FC vor einem Neuanfang.

Zwanzig Spieler verließen den Verein im Sommer, davon wurden fünf verliehen. Neuzugänge gab es 15 und fünf der ausgeliehenen Spieler blieben dem Verein erhalten. Mit Holger Stanislawski hatte man den Kult-Trainer vom Kiez verpflichten können, der die Kölner sofort wieder in das deutsche Oberhaus befördern sollte. Diese Ziel geriet doch nach sechs Spieltagen schon in die Ferne, denn mit zwei von möglichen 18 Punkten stand man auf dem vorletzten Tabellenplatz und  musste sich aus diesem Missstand erst befreien, bevor man in obere Tabellenregionen vorstoßen konnte.


Stanislawski warf das Handtuch

Dies gelang der Mannschaft um Stanislawski auch und man verlor in der Hinrunde nur ein weiteres Spiel und konnte auf Platz  neun in die Winterpause gehen, da die Spieltage 18 und 19 noch im Dezember ausgespielt wurden. Den möglichen Aufstieg fest im Visier startete die Kölner Elf mit zehn Punkten aus vier Spielen gut in die schon angebrochene Rückrunde und konnte sich schließlich im oberen Tabellendrittel festsetzen. Nach 15 ungeschlagenen Partien in Folge (9 Siege, 6 Unentschieden) kam es am 28. Spieltag zum Höhepunkt auf dem Betzenberg – dieser Aufgabe war der FC aber nicht gewachsen. Man verlor das Spiel und musste den hart erkämpften Relegationsplatz wieder hergeben, den man am Spieltag zuvor erst hatte erklimmen können – zum ersten Mal in der Saison.

Und diese Niederlage schien Folgen zu haben. Zwar gewann man das nächste Heimspiel gegen VfR Aalen mit 1:0, Köln holte aus den folgenden vier Partien aber nur zwei Punkte und hatte somit vorzeitig alle Möglichkeiten auf den Relegationsplatz verspielt. Die Ära Stanislawski fand mit einem 3:0-Sieg über Ingolstadt im letzten Spiel ein versöhnliches Ende, aber das klare Saisonziel wurde verpasst und somit räumte der Trainer seinen Platz.

Das System nicht verinnerlicht

Über die Spielzeit 2012/13 agierten der FC meist in einem 4-2-3-1-System, welches in der Rückrunde auch des häufigeren in ein 4-4-2 mit Doppelsechs oder Raute umgewandelt wurde. Für Stanislawski ist es typisch aus einer 4-2-3-1-Grundordnung heraus zu agieren, dies hat er auch vorher auch schon beim FC St. Pauli und bei 1899 Hoffenheim getan. Er konnte die Verteidigung stabilisieren und stellte mit dem FC die drittbeste Abwehr, aber der Offensive fehlte die Durchschlagskraft.

Zwar traf der von Mainz ausgeliehene Anthony Ujah 13 Mal und bereitete drei Treffer vor, konnte aber in keiner Weise Lukas Podolski ersetzen. Das Loch in der Offensive war für das erste Jahr in der zweiten Liga einfach zu groß, um sich schlussendlich für die Bundesliga zu qualifizieren.

Die Ära Stöger/Schmadtke beginnt

In der Sommerpause gab es den nächsten Umbruch: Auf Stanislawski folgte Peter Stöger, den man aus Wien losreißen konnte. Jörg Schmadtke übernahm das Amt des Managers und des Geschäftsführers bei den Geißböcken. Damit waren die wichtigsten Fragen geklärt und man konnte sich auf die Kaderzusammenstellung konzentrieren und Transfers tätigen, da nun die Ausrichtung für die kommende Saison gegeben war.

Clevere Transfers als Basis für den Erfolg

In der Transferperiode konnte man Anthony Ujah verpflichten. Der ausgeliehene Nigerianer konnte für eine Ablöse von zwei Millionen aus Mainz endgültig an den Rhein wechseln und war nicht mehr nur ausgeliehen. Ebenfalls aus Mainz wurde Marcel Risse für 700.000 Euro nach Köln geholt. Hinzu kam ablösefrei Patrick Helmes aus Wolfsburg, der bei den Wölfen nie wirklich Fuß fassen konnte und dieses Kapitel endlich beenden konnte. Daniel Halfar (500.000 Euro, 1860 München) und Yannick Gerhardt (eigene Jugend) komplettierten das Quintett, das unter Peter Stöger zu Stammkräften heranwuchs. Wichtig war auch, dass man Slawomir Peszko zwar für 600.000 Euro an den FC Parma verkaufte, ihn aber gleichzeitig für eine weitere Saison ausleihen konnte.

Mit dem Abgang von Christian Clemens mussten die Kölner aber auch einen herben Rückschlag hinnehmen. Ihn konnte man nicht halten, da Schalke dem jungen Talent mehr bieten konnte als der FC. Riether konnte endgültig von der Gehaltsliste gestrichen werden und wechselte zum FC Fulhalm. Noch zu erwähnen ist, dass Geromel für zweieinhalb Jahr zu Gremio Porto Alegre ausgeliehen wurde.

Das System Stöger

Mit diesem Kader ging es dann in die Saisonvorbereitung und der Kampf um die Stammplätze war eröffnet. Vor allem die beiden Stürmer Helmes und Ujah mussten sich zeigen, da Stöger bei seinen vorherigen Stationen meist auf Systeme mit nur einem Mittelstürmer gesetzt hatte (4-3-3, 4-2-3-1 oder auch 4-5-1). Seltener hatte er in einem 4-4-2 mit Doppelsechs agieren lassen. Doch Konkurrenz belebt das Geschäft. Genau dies sollte man auch im Verlauf der Saison sehen, denn Stöger variierte sein System immer mal wieder, sodass mal Ujah oder Helmes als alleinige Spitze zum Zuge kamen oder beide im besagtem 4-4-2 spielten.

Variabilität in der Offensive

Aus dieser besagten Offensivkraft ergab sich für den österreichischen Coach eine bequeme Situation, da er in seiner Spielanlage variabel agieren konnte. Zudem hatte man in dieser Saison mit Halfar, Peszko und Risse drei offensive Mittelfeldspieler, die das 4-2-3-1-System perfekt ausfüllen konnten um so für den Gegner noch unerwarteter agieren zu können. Neben dieser Systemvariabilität besaßen die Domstädter eine weitere wichtige Eigenschaft. Dies waren zwei unterschiedliche Stile im offensivtaktischen Bereich.

Die eine Methode war, durch eine tiefere Stellung bei Angriffen des Gegners kompakt zu stehen stehen und durch schnelles Umschaltspiel Konter einzuleiten, die über Risse und Halfar mit hohem Tempo zu gefährlichen Torchancen wurden. Die andere Variante wurde durch viel Ballbesitz bestimmt und war für Peter Stöger typischer, denn schon in Wien hatte er in einem 4-2-3-1-System durch einen abkippenden Sechser und aufrückende Außenverteidiger einen stabilen Spielaufbau produzieren können.

Ganz so extrem wie in Österreich ließ Stöger in Köln aber nicht spielen, sondern mit einem tief stehenden Sechser, der sich aber nicht zwischen die Innenverteidiger fallen lässt, wie es zum Beispiel Nuri Sahin beim BVB fabriziert. Den „tiefen Sechser“ spielte zumeist der erfahrene Matthias Lehmann. Der zweite defensive Mittelfeldspieler agierte offensiv und diente als Verbindungselement zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Diese Position fiel dem hauseigenen Talent Yannick Gerhardt zu, der sich im Verlauf der Saison als starker Box-to-Box-Sechser herauskristallisierte. Mit dieser Personalie hatte Stöger im ersten Jahr seiner Amtszeit vieles richtig gemacht.

Ein System, das zu den Spielern passt

Im offensiven Mittelfeld und im Sturm kam es dann zu der angesprochenen Variabilität: Entweder spielte Stöger mit einer Dreierkette, die Ujah oder Helmes unterstütze oder die Kölner spielten mit zwei Außenspielern und zwei Stürmern, wobei Helmes sich dann eher als halbe Neun entpuppte und gestaffelt stand. Ujah besetzte das Sturmzentrum somit und wurde von Helmes unterstützt, der mit seiner Erfahrung auch als Anspielpunkt für Gerhardt agierte, falls man nicht über die Außen spielen konnte.

Mit Halfar und Risse hatte sich das Duo Stöger/Schmadtke genau richtig aufgestellt. Risse verfügt über einen schnellen Antritt und einen guten Abschluss und ist dadurch nicht leicht auszurechnen, da er entweder über Außen gehen kann und eine Flanke vorherbringt oder in den Halbraum eindringt und zum Torabschluss kommen kann. Halfar ist technisch forcierter als Risse, was ihm erlaubt öfter einzurücken um in der Zentralen für Ujah oder Helmes durchzustecken. Dies galt besonders für das System mit zwei Stürmern.

Bei nur einem Stürmer spielte Halfar auf der Zehn und Peszko lief über die linke Seite auf. Aber dies war noch nicht genug der Flexibilität in Köln, denn immer wieder konnte man beobachten, wie Halfar und Risse (im 4-4-2) oder Peszko und Risse (im 4-2-3-1) die Seiten tauschten und dadurch den Gegner vor neue Herausforderungen stellte.

Gefestigte Defensive, starker Torwart

Eine alte Fußballweisheit besagt, dass die Offensive Spiele und die Defensive Titel gewinnt und dies bewahrheitete sich auch in dieser Zweitliga-Saison. Mit 20 Gegentreffern stellte der FC mit großem Abstand die beste Abwehr. Einen großen Rückhalt bildete dabei der erst 20-jährige Torhüter Timo Horn. Der U21-Nationalspieler konnte ganze 18 von 33 Partien zu Null bestreiten, was ein überragender Wert ist, wenn man bedenkt, dass ein Manuel Neuer in der ersten Liga in 31 Partien 19 Mal zu Null spielte.

Die Viererkette wurde in der Innenverteidigung mit dem slowenischen Nationalspieler Dominic Maroh und dem jungen Kevin Wimmer besetzt. Auf der rechten Position fand der Kapitän Miso Brecko seinen Platz, während Jonas Hector über die linke Verteidigerposition auflief. Diese Formation erwies sich als gute Kombination zwischen Erfahrung und jugendlicher Spritzigkeit. Unterstützt durch Lehmann in der Zentrale konnte man oft in torgefährlichen Bereichen Überzahl erzeugen und den Gegner somit an gefährlichen Torraumszenen hindern.

Vorne beginnt die Verteidigung

Die Kölner defensivtaktische Einstellung kann man mit einer weiteren Phrase beschreiben: Vorne beginnt die Verteidigung. Denn Stöger ließ in den meisten Phasen der Saison pressen um dem Gegner möglichst wenig Platz zur Entfaltung zu geben. Und auch das Gegenpressing ließ der Österreicher spielen und konnte damit bewirken, dass man nach einem Ballverlust schnell Überzahl in Ballnähe erzielte und somit schnelle Tempogegenstöße verhinderte. Wenn Alles nach Plan verlief, waren die Kölner wieder in Ballbesitz bevor der Gegner überhaupt einen Angriff einleiten konnte.

Wichtig bei dieser taktischen Herangehensweise war in dieser Saison, dass im 4-4-2 Ujah die Innenverteidiger unter Druck setze und Helmes den zentralen Raum sicherte und mindestens einen Gegner in seinen Deckungsschatten stellen konnte. Unterstützt wurde er dabei – je nach Grundordnung des Gegners – von Gerhardt. Wenn er vorrückte, wurde aus dem 4-4-2 mit Doppelsechs ein 4-1-4-1. Lehmann hielt dem jungen Spieler dabei den Rücken frei, was sich im Verlauf der Saison nach als wichtiges Element zeigen sollte.

Fehlstart in der vergangenen Saison verhindert

Denn die ersten Spiele verliefen nicht unbedingt erfolgreich und es drohte ein ähnlicher Fehlstart wie in der Saison davor unter Stanislawski. Mit diesem hatte man sich, rückwirkend betrachtet, den Aufstieg verspielt. In der Domstadt hatte man nach drei Spielen lediglich drei Punkte auf dem Konto und war auf Platz 13 in der Tabelle abgerutscht. Der absolute Tiefpunkt konnte mit einem 2:0 gegen Sandhausen verhindert werden und damit begann der Angriff auf die Aufstiegsplätze.

Ein Aufstieg, der sich angekündigt hat

Es folgte ein 0:0 in Fürth, ehe man erst am 14. Spieltag mit 1:0 in Bochum verlor und die erste Saisonniederlage hinnehmen musste. Zuvor hatte Köln aus 13 Spielen 27 Punkte geholt und war Tabellenführer. Den ersten Platz musste man nur noch kurz am 15. Spieltag hergeben, bevor sie der FC am folgenden Spieltag zurückeroberte. Danach ließ sich die Stöger-Elf nur noch einmal bezwingen (am 20. Spieltag 0:1 gegen Paderborn), sammelte in den 34 Partien 68 Punkte und wurde souverän Meister der 2. Bundesliga.

Der 1. FC Köln strauchelte nur zu Saisonbeginn und konnte danach eine starke Runde spielen. Stöger hat es geschafft, die Mannschaft zu stabilisieren und auf den richtigen Positionen zu verstärken. Mit Jörg Schmadtke konnte man die nahezu perfekten Transfers tätigen und somit den Aufstieg realisieren. Jetzt kommt es in der Sommerpause darauf an, den Kader bundesligatauglich zu gestalten und die richtigen Mittel für den Klassenerhalt zu finden.

Oberstes Gebot ist der Klassenerhalt

Slawomir Peszko wird in Köln bleiben, steht jetzt wieder beim FC unter Vertrag. Zurückkommen wird nach seiner Leihe Mato Jajalo, der eine Saison bei FK Sarajevo verbrachte. Weiteres steht noch nicht fest und viele Gerüchte gibt es momentan auch nicht beim FC. Zuletzt wurde Daniel van Buyten hoch gehandelt, aber auch diese Personalie ist abgeflacht.

Während der Saison ging es auch immer wieder um Philipp Hosiner (FK Austria Wien), den Stöger bei den Veilchen so sehr gefördert hatte, dass er in der Bundesliga Begehrlichkeiten weckte. Die Domstädter sollen zudem auch ihre Fühler nach Simon Zoller ausgefahren haben. Der 22-Jährige schlug in seiner ersten Zweitliga-Saison beim FCK gleich ein und konnte 13 Treffer erzielen. Aber an ihm sollen nicht nur Köln, sondern auch Bremen, Gladbach und sogar Benfica Interesse haben.

Erstklassige Stimmung

Eine Prognose für die kommende Saison ist einerseits schwierig, andererseits ist klar, dass der FC gegen den Abstieg spielen wird. Wie sich das genau gestalten wird, ist noch nicht abzusehen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht und mit den Fans im Rücken sollte es für viele Mannschaften schwierig werden, im RheinEnergieStadion zu punkten. Die Stimmung in Köln ist etwas Besonderes.

Wenn die Fans ihre Mannschaft ohne Kompromisse unterstützt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Klassenerhaltes immens. Die Bundesliga freut sich auf die Kölner, weil ein Verein mit einer solchen Kulisse sicherlich in die erste Liga gehört und sie bereichert. In dem Sinne: Herzlich Willkommen zurück, liebe Kölner!


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