MC Smook: „In drei Jahren bin ich einer der größten Köpfe unserer Zeit“

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Wir verlassen heute mal den grünen Rasen und wenden uns der deutschen Rapszene zu. MC Smook ist Teil der „Glo Up Dinero Gang“, an deren Spitze Money Boy steht – der in der deutschen Rapszene längst kein Unbekannter mehr ist. Dass diese „Gang“ für mehr als unkonventionelle Musik und Swag steht, möchte Marc Tophoven aka MC Smook im Interview mit Inside 11 unter Beweis stellen.

Inside 11: Hallo MC Smook, wie geht’s?

MC Smook: Yo Boy, alles gut und selbst?

Inside 11: Auch gut soweit, danke der Nachfrage! Meine erste Frage an dich ist eine klassische: Wo siehst du dich in drei Jahren?

MC Smook: Ich sehe mich in drei Jahren als einen der größten Köpfe unserer Zeit. Bin ich auch jetzt schon, aber etwas unter dem Radar. Ich denke das wird sich in den kommenden Jahren ändern.


Inside 11: Ambitioniert, wie man dich ja auch kennt. Aber wie kannst du dir da so sicher sein? Eure Szene kriegt ja auch einiges an „Hate“ ab.

MC Smook: Ja, aber der Hate ist die Bestätigung dafür, dass es relevant ist. Wenn du nicht gehatet wirst, machst du einiges falsch. Ich bin sehr optimistisch gestimmt, weil es mein Naturell ist und ich jetzt schon mit gebundenen Händen einige Türen aufreißen konnte.

Inside 11: Was beflügelt dich da so? Als Außenstehender hat man den Eindruck, dass alle irgendwie in Money Boys Schatten stehen.

MC Smook: Er ist natürlich erfolgreicher als wir alle, das ist klar. Der Mensch neigt immer zum Vergleichen. Eigentlich sehr dumm, denn wir sind alle eigenständige Künstler mit eigenen Styles, eigenen Fanbases und so weiter. Niemand stellt irgendwen in den Schatten. Eher kriegen wir das von dem Shine von Mbeezy ab.

Inside 11: Wäre es unter dem Gesichtspunkt dann nicht am Klügsten, sich von dem Boy zu entfernen und komplett sein eigenes Ding zu machen? Oder ist das für die Zukunft überhaupt nicht geplant?

MC Smook: Wir sind die Glo Up Dinero Gang. Wir sind ein Team! Aber wir machen ja auch unser eigenes Ding. Unsere eigenen Alben, Mixtapes etc. Aber wir featuren uns, pushen uns gegenseitig, spielen im Jahr zusammen an die 100 Konzerte. Das macht das Movement aus. Das Biggest Movement im deutschen Rap.

Inside 11: Alles klar. Lass uns mal konkreter über deine eigene Musik sprechen: Wie kommt man auf Ideen wie beispielsweise aufs „Tier Tape“, das ja inhaltlich und von der Aufmachung unkonventionell aber dann doch sehr konsequent gestaltet ist?

MC Smook: Danke erstmal, dass du es als konsequent gestaltet siehst. Das ist ein Kompliment in einer Zeit, wo Rapper ihre Tapes lieblos bestücken. Also für mich ist es nicht unkonventionell, sondern zeitgenössisch. Immer die gleichen Themen zu behandeln bzw. die Thematiken Anderer abzukupfern, ist leider für die Meisten zeitgenössisch, aber für mich total uninspiriert und langweilig.

Inside 11: Heißt das im Umkehrschluss, dass die (deutsche) Musikszene noch nicht ganz bereit für dich und euch ist?

MC Smook: Ja, das kann man so sehen. Die Leute sind bereit, aber die Szene nicht. Und leider beeinflusst die Szene mit ihrer großen Reichweite die Leute.

Inside 11: Hast du dann überhaupt sowas wie ein Vorbild in Deutschland? Oder geht der Blick dann gleich in die Staaten, wo das Ganze ja dann doch nochmal deutlich vielfältiger aussieht?

MC Smook: Ja, Deutschland ist auch sehr vielfältig geworden und hat mittlerweile eine eigene Hip-Hop-DNA. Also direktes Vorbild in der Musik nicht. Ich konsumiere vieles in verschiedenen Black Music Sparten (USA und Deutschland) und ich denke ich lasse mich unbewusst davon inspirieren. Jenseits von der Musik, dem ganzen Quatsch, der drumherum geschieht, ist natürlich DJ Khaled seit Jahren eine große Inspiration.

Inside 11: DJ Khaled, der seine Fans auch vor allem durch seinen Lifestyle und seine philosophischen Ansichten inspiriert. Hast du auch einen Snapchat-Channel?

MC Smook: Yes, therealmcsmook heißt er! Der boomt ziemlich. Khaled Querverweise sind natürlich nicht zu vermeiden, aber ich entwickle auch langsam meinen eigenen Style. Die Hardcore Fans lieben mich auf Snapchat!

Inside 11: Wie sieht es mit dem Rest der Gang aus, ist die auch auf Snapchat vertreten?

MC Smook: Ja, es geht langsam los. 20G grindet, wie es sich für einen echten Ami gehört, seit Jahren auf der Plattform. Money Boy hat die Tage einen Channel eröffnet, die Glo Up Dinero Gang gibt es seit gestern dort. Hustensaft, Hoodhustla, etc. auch. Weiß jetzt deren Nutzernamen nicht, aber die lassen sich bestimmt easy recherchieren.

Inside 11: Die GUDG scheint zu wissen, wie man expandiert. Was würdest du für ein Feature mit DJ Khaled tun?

MC Smook: Wäre schon geil! Aber es gibt gewisse Features, für die ich eindeutig mehr tun würde. Khaled macht schon geile Hymnen, aber die Alben sind meist Trash.

Inside 11: Welche Features denn?

MC Smook: Optimal wäre ein Track mit einer Alicia Keys Hook, Rick Ross Adlips, einer MC Smook Strophe, einer Eminem Strophe, einer Drake Strophe und einer Kendrick Lamar Bridge inklusive einem Puff Daddy Outro. Ich arbeite dran!

Inside 11: Lässt du dich eigentlich auch mal aus komplett anderen Musikrichtungen inspirieren oder interessiert dich das gar nicht?

MC Smook: Ja, es muss schon Black Music sein. R&B, Soul, aber auch Funk. Einer meiner Producer, 8Moss, ein Signing von mir, Fruity Luke und ich sind jetzt auf dem Funk Film. Das kombiniert mit unserem SWAG ist die Zukunft. Die Medien tun so als wäre Trap-artiger Sound die Zukunft. Daran merkt man mit was für Dinosauriern wir uns herumschlagen müssen. Trap ist fast schon oldschool, so lange wie er existiert.

Inside 11: Liegt wohl auch daran, dass er in Deutschland nie so den Durchbruch hatte wie in den USA. Weil du von SWAG sprichst: Kannst du den Begriff mal in einem Satz beschreiben?

MC Smook: SWAG = positive, einzigartige Aura. So habe ich das immer gesehen. Aber ich glaube das sieht jeder anders.

Inside 11: Der Begriff macht derzeit in Deutschland vor allem im Fußball die Runde, erstmals richtig populär, zuletzt weil Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund mit weißem Pelz und hellblauer Cap zu sehen war. Verfolgst du das?

MC Smook: Ja SWAG war ja schon 2010 dank Beezy Jugendwort des Jahres. Habe gesehen wie swaggy Aubameyang auf der Tribüne saß. Habe den Sport immer im Blick. Ich bin Sportler, morgen ist Matchday, du weißt!

Inside 11: Kola mit Ice, natürlich! Es gab ja schon Musiker, die Fußballteams unterstützten, wie aktuell Heaven Shall Burn Carl Zeiss Jena. Kannst du oder die Gang sich vorstellen, dass euer Logo oder ein Cover auf dem Trikot eines Sportteams prangt?

MC Smook: Na klar, solange die gut bezahlen. Ich denke, viele Fußballspieler feiern uns und hören die Musik vor dem Spiel, um sich zu motivieren.

Inside 11: Sponsoring also andersrum?

MC Smook: Yes! Ich denke es trägt zur Popularität des Vereins bei, sich mit GUDG-Farben zu schmücken. Image-Aufwertung hat seinen Preis.

Inside 11: Mal sehen, ob sich da jemand meldet. Eine letzte Frage, die aktuell sehr interessant ist: Wie stehst du zur Flüchtlingsproblematik? Wirst du weiter auch politische Ansichten über deine Musik teilen?

MC Smook: Ja, das mache ich ja sowieso immer. Zum Beispiel Der Song BIGEDA vom Tier Tape beschäftigt sich mit der Pegida-Thematik und ich habe immer verschachtelte politische Äußerungen. Aber ich will nicht mit dem Zeigefinger irgendjemanden eine Meinung aufzwingen. Ein Chinese wird vielleicht niemals Demokratie nachvollziehen können – was für uns allgegenwärtig ist. Ich finde man sollte jeden reinlassen und mehr Geld in deren Integration investieren anstatt in Waffen, die diese momentanen Probleme überhaupt haben entstehen lassen. Aber das klingt jetzt bisschen zu simpel alles. Das ist so komplex, da kann auch keine Merkel durchblicken. Shout out an Yung Flüchtling an dieser Stelle. Einer meiner Dudes im Produzenten-Team.

Inside 11: Vielen Dank dafür für das Interview – und viel Erfolg weiterhin!

MC Smook: Danke dir! Und natürlich danke für das Interview. Das war eine kluge Entscheidung, mit MC Smook ein Interview zu machen, vielleicht die Klügste deines Lebens!


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