Die größten Fußball-Talente Afrikas

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Karge Wüsten, tropische Regenwälder. Trotz teils sehr unwirtlicher Bedingungen lebt ein Sechstel der Menschheit in Afrika. Weite Teile des Kontinents sind auch heute immer noch wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich im Vergleich mit der restlichen Welt unterentwickelt. Auch im Weltfußball spielen afrikanische Ligen und Vereine eine eher kleine Rolle. Dabei ist Potential zweifelsohne vorhanden. Inside 11 zeigt die größten Talente Afrikas.

Viel Qualität in Südafrika

Von der Qualität her gehört die südafrikanische Liga zum Besten, was Afrika zu bieten hat. Vereine wie Spieler bestreiten größtenteils einen professionellen Ligaalltag, Ajax Cape Town hat mit Ajax Amsterdam zudem einen prominenten Paten. Der Tochterverein des niederländischen Topclubs wurde 1998 gegründet, das erste offizielle Spiel erfolgte im Jahr 1999.

Aktuell steht ein Spieler in den Reihen von Ajax, den man wohl bald in den Reihen seines europäischen Namensvetters wiederentdecken könnte. Die Rede ist vom 17 Jahre alten Innenverteidiger Rivaldo Coetzee, der bei seinem ersten Einsatz in der Premier Soccer League am 28. Februar gleich über 90 Minuten ran durfte. Der bei Ajax Cape Town ausgebildete beidfüßige Spieler gilt vor allem wegen seiner hohen Variabilität als wertvoll, die Amsterdamer hatten den südafrikanischen U-19 Nationalspieler Ende Januar bereits zu einem Probetraining eingeladen. Vom Perspektivspieler Coetzee darf man also Einiges erwarten. Wer weiß, vielleicht sieht man ihn bald in der Champions League wieder.


Liphoko träumt von der Bundesliga

Wir bleiben in der südafrikanischen Liga, gehen aber gute 1000 Kilometer Luftlinie weiter nordöstlich nach Durban. Dort wurde 1937 der AmaZulu FC gegründet. Gründer waren Arbeiter des größten südafrikanischen Volksstamms, der Zulu. Der Club muss regelmäßig um den Klassenerhalt kämpfen, bringt dank seines volksnahen Auftretens aber immer wieder Spieler hervor, die sich bei größeren Vereinen etablieren können.

Nun steht wieder einer in den Startlöchern: Es handelt sich um den 19 Jahre alten Tshepo Liphoko. Liphoko ist ein Offensivallrounder. In seinen bisher sechs Profi-Einsätzen kam er aber vornehmlich auf seiner Lieblingsposition, der linken Außenbahn, zum Einsatz. Der 19-Jährige kann aber auch auf der Zehn, in der Spitze oder auf der rechten Außenbahn spielen. Gefürchtet ist das nur 1,70 Meter große Talent der Ushuntu, wie der AmaZulu FC unter den Fans genannt wird, für sein spritziges, wendiges Auftreten, seine hohe Schnelligkeit und seine gute Technik.

Liphoko ist kein Unbekannter im südafrikanischen Fußball. Er wurde beim Prestigeclub Orlando Pirates ausgebildet, nach einem Leihgeschäft mit den Lamontville Golden Arrows ging er zu AmaZulu, wo die hoffnungsvolle Offensivkraft seine Chance bekam und nutzte. Dies erweckte auch das Aufsehen besserer Clubs. Der südafrikanische Tabellenführer, die Kaizer Chiefs, bemühen sich um Liphoko, aber auch aus dem Ausland wird Interesse angemeldet.

Thsepo Liphoko durfte nach seinem Lehgeschäft bei den Golden Arrows ein Probetraining bei Panathanaikos Athen und Atromitos Athen absolvieren. Auch Twente Enschede aus den Niederlanden, KRC Genk aus Belgien und der von Felix Magath trainierte FC Fulham sollen über eine Verpflichtung des Rohdiamanten nachdenken. Liphokos persönlicher Traum ist aber die deutsche Bundesliga, wie er im Gespräch mit der südafrikanischen Sportzeitschrift Soccer Club erzählte.

Talente in Ägypten und Äthiopien

Wir wagen den Sprung vom Süden des Kontinents in den Norden: In der ägyptischen Premier League finden sich ebenfalls immer wieder große Talente. In Kairo, wo 1973 der einflussreiche Wirtschaftsmogul Osman Ahmed Osma den Arab Contractors SC gründete. Osman, auch als The Boss bekannt, holte zugleich einige Topstars in den Verein und etablierte diesen so Anfang der 80er-Jahre in der höchsten ägyptischen Spielklasse. Der auch unter dem Namen El Mokawloon bekannte Club, der zu 100 Prozent dem Bau-Giganten The Arab Contractors gehört, machte in letzter Zeit von sich reden, weil sich ein echtes Toptalent in seinen Reihen befindet.

Der an Silvester 1997 geborene Taher Mohamed machte mit 16 Jahren bereits drei Spiele in der ägyptischen Premier League und gilt als der Perspektivspieler seines Landes schlechthin. Auch in der ägyptischen U20-Nationalmannschaft durfte Mohamed, der im zentralen offensiven Mittelfeld spielt, schon Erfahrungen sammeln. Es könnte ein regelrechter Wettlauf um den Teenager beginnen, einige europäische Vereine lecken sich bereits die Finger nach ihm. Die größten Chancen haben aktuell wohl RSC Anderlecht, AS Monaco und Tom Tomsk aus Russland.

Girma lässt Äthiopien hoffen

Wir bleiben im Norden des Landes, rücken nur ein Stück weiter an der Küste entlang in den Süden, in eines der ärmsten Länder der Welt, nach Äthiopien. Hier, in der Hauptstadt Addis Abeba ist der Saint George FC ansässig, ein Verein, der während des Abessinienkriegs gegründet wurde. Durch die Gründung in dieser schweren Zeit wurde der Club schnell ein Symbol für Freiheit für die unterdrückten Äthioper. Somit ist Saint George der älteste Verein des Landes und kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken.

Auch die Fans des Vereins sind als sehr emotional und vereinsnah bekannt, die Heimspiele im 35.000 Zuschauer fassenden Addis Ababa Stadium sind regelmäßig ausverkauft. In den Reihen von Saint George spielt auch Alula Girma, zwanzig Jahre alter Rechtsverteidiger. Der Nationalspieler Äthiopiens wurde beim Traditionsverein ausgebildet und ist fest etabliert in der Mannschaft vom italienischen Trainer Danilo Pileggi. Mit seinen zwanzig Jahren durfte er schon 23 Mal für sein Land antreten, er war mitunter der Grund dafür, dass Äthiopien seit langer Zeit wieder einmal eine Rolle in der Qualifikation zur WM 2014 spielte. Letztendlich scheiterte die Teilnahme dann aber an der 2:0-Niederlage in Nigeria.

Rechtsfuß Girma ist vor allem für seine überlegten Eingriffe ins Offensivspiel als auch für seine beinharte und kompromisslose Verteidigungsart bekannt. Logisch, das der selbstbewusste Abwehrmann nicht unentdeckt bleibt. Interesse wird einerseits aus der amerikanischen MLS von Houston Dynamo, andererseits aus Europa von Dnipro Dnipropetrovsk und Otelul Galati gemeldet.

Senegal-Sprinter auf dem Weg nach Frankreich

Wir gehen nun vom Osten in den Westen des Kontinents und befinden uns im Senegal – ein Land, in dem man sich am nördlichen Ende in den Ausläufern der Sahara befindet, im Süden bereits im Regenwald. Das traditionsreiche Volk der Senegalesen erlebte eine brutale Kolonialherrschaft. Auch der Konflikt mit der Region Casamance lies die Einwohner nicht kalt. Erschreckende Fakten sind zudem, dass die Einschulungsquote nur bei 60 Prozent liegt, 65 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Das Bruttoinlandsprodukt beläuft sich auf gerade mal 11,1 Millionen US-Dollar.

Hier also, im Senegal, werfen wir zunächst einen Blick auf die Hauptstadt: Dakar. Dort wurde nämlich Chérif Salif Sané fußballerisch ausgebildet. Der Offensivspieler wurde letzte Woche 19 Jahre alt und wechselte zum ASC La Linguère, wo er seine erste Saison in der höchsten Spielklasse bestreiten darf. Sané durfte sich aber bereits zuvor empfehlen. Seit 2012 ist der variable Spieler, der in der Offensive Alles spielen kann, Schlüsselspieler der senegalesischen U20-Nationalmannschaft. Dass der ASC La Linguère ein Auge für Talente hat, beweist auch die Tatsache, dass 1899 Hoffenheim bereits des öfteren Jugendspieler des Vereins zum Probetraining einlud.

Angeblich will AS Nancy Lorraine das senegalesische Talent im Sommer zu einem Probetraining in Frankreich einladen. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit dem Spieler, der vor allem wegen seiner hohen Sprintgeschwindigkeit als wertvoll gilt.

Löst der Ivorer Okoua noch sein WM-Ticket?

Wir gehen an der Atlantikküste Afrikas weiter in den Süden. An der Cote d’Ivoire, also an der Elfenbeinküste, halten wir an. Hier im südöstlichen Teil des Landes, direkt an der Küste, liegt die Stadt Abidjan, wo am 27. April 1927 Africa Sports National gegründet, wurde, einer der erfolgreichsten ivorischen Clubs überhaupt. Schon einige Talente fanden von hier aus den Weg nach Europa, beispielsweise Abdul Kader Keïta, der für Lille, Lyon und Galatasary spielte. Momentan steht wieder einer in den Startlöchern. Es handelt sich um den 22 Jahre alten Torwart Christian Fabrice Okoua.

Der 1,92 Meter große Stammtorwart der Bétés, wie die Fußballer aus der ehemaligen Hauptstadt auch genannt werden, steht außerdem im Kader der ivorischen Nationalmannschaft und kämpft um ein Ticket für die WM 2014 in Brasilien. Bei einem internationalen Sport-Großereignis durfte er aber schon dabei sein: 2008 hütete er bei der Olympiade in China das Tor der U23-Nationalmannschaft der Elfenbeinküste. Wegen seiner starken Reflexe auf der Linie wird Okoua oft mit der Africa Sports-Legende Jean-Jacques Tizié verglichen, welcher bei der WM 2006 in Deutschland im Tor der ivorischen Elf stand und seine beste Zeit bei Espérance Sportive de Tunis erlebte.

Viele Fußballer stellen von der Elfenbeinküste die Verbindung nach Europa über Frankreich her. Auch der 22–jährige Okoua durfte schon ein Probetraining bei den „Krokodilen“ von Olympique Nîmes, die in der französischen Ligue 2 spielen, absolvieren. Hierhin könnte er auch im Sommer wechseln, doch auch die französischen Clubs Le Havre und SM Caen sollen interessiert sein. Vielleicht darf man dem Torhüter ja bei der WM in Brasilien zusehen und vielleicht nutzt dieser das Großereignis und zieht das Interesse einiger europäischer Clubs auf sich.

Red Bull und seine Talente-Fabrik

Wir ziehen weiter gen Osten, an der Küste entlang und die nächste Grenze, auf die wir stoßen, ist die von Ghana. Etwas östlich der Hauptstadt Accra findet sich Sogakope, wo der österreichische Getränkekonzern Red Bull eine Akademie aus dem Boden gestampft hat. Jungen Fußballern wird hier die Chance auf Bildung gegeben, außerdem werden sie fußballerisch von Experten ausgebildet. Klar also, dass hier ein großer Fundus an Talenten vorhanden ist.

Doch eines sticht zur Zeit besonders heraus: Joseph Mills-Beale, Innenverteidiger, 17 Jahre alt. Der in der Hauptstadt geborene, beidfüßige Abwehr-Allrounder kann in der Defensive auf jeder denkbaren Position eingesetzt werden: Auf jedem Posten der Viererkette, doch auch als Libero, als alleinige Sechs oder auf der Doppelsechs ist Mills-Beale gut aufgehoben. Gerade diese Flexibilität spielt jedem Trainer in die Karten. Was am 1,82 Meter großen Defensivtalent außerdem auffällt, ist seine ruhige, überlegte Spielweise und seine trotz seines jungen Alters so große Souveränität und Disziplin.

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis der Teenager vom Mutterverein Red Bull Salzburg zu einem Probetraining in die Sportanlage nach Liefering eingeladen wird und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen darf. Daraufhin könnte der Wechsel entweder in die zweite Mannschaft der Salzburger – den FC Liefering – oder gar gleich zu den Europa-League-Teilnehmern in die erste Mannschaft folgen. Natürlich könnte Mills-Beale aber auch zu den Red-Bull-Vereinen nach Leipzig oder New York gehen, so funktioniert das Konzept des Brausekonzerns von Didi Mateschitz.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sich der junge Fußballer erst einmal in seinem Heimatland etabliert. Sein Heimatstadtverein, die Accra Hearts of Oak, die mit Asante Kotoko die erfolgreichsten des Landes sind, wollen den 17– Jährigen unter Vertrag nehmen. Interesse wird außerdem von den Aduana Stars gemeldet.

Mabidi begeistert den Kongo

Die Reise geht nun ins geographische Zentrum Afrikas, in die Demokratische Republik Kongo. Der Kongo gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und hat eine bewegte Geschichte vorzuweisen. Während der Kolonialherrschaft wurden die Kongolesen von einem der grausamsten Kolinioalherrscher aller Zeiten, dem belgischen König Leopold II., unterdrückt. Dieser ermordete auf grausamste Art etwa 10 Millionen Einheimische. Die Gräuel nahmen kein Ende: Anschließend hatte das kongolesische Volk 32 Jahre lang die Herrschaft des Diktators Mobutu Sese Seko zu ertragen, danach brach einer der schlimmsten Bürgerkriege weltweit aus. Auch heute nehmen die Unruhen im östlichen Teil des Landes kein Ende.

Hier also, in der Hauptstadt Kinshasa, welche mit knapp zehn Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt ganz Afrikas ist, gründete sich 1935 der AS Vita Club. Er zählt mit zwölf Meisterschaften, neun Pokalsiegen und einem Gewinn der afrikanischen Champions League zu den erfolgreichsten des Landes. In deren Reihen spielt derzeit Lema Mabidi, der als großes Talent gehandelt wird. Der offensive Mittelfeldspieler, der bevorzugt auf der linken Außenbahn oder auf der Zehn zum Einsatz kommt, ist mit 20 Jahren bereits fester Bestandteil des Erstligisten und der kongolesischen Nationalmannschaft. In der afrikanischen Champions League stand er gegen den simbabwischen Club Dynamos FC über 90 Minuten auf dem Platz. Auch in sechs Länderspielen durfte der junge Offensivspieler internationale Erfahrung sammeln.

Mabidi ist als echter Kämpfer bekannt. Für einen Offensivmann wie ihn sucht er ungewöhnlich oft den Zweikampf, scheut trotz seiner nur 1,72 Meter großen Statur auch den robusten Einsatz nicht. Oft lässt er sich auch tief in die eigene Hälfte zurückfallen. Dies blieb im Ausland natürlich nicht unbemerkt, so ist der 20-Jährige bei Kasımpaşa Istanbul aus der Süper Lig gefragt, auch Morecambe aus England und der FC Wil aus der Schweiz zeigen Interesse am talentierten Jungspund.

Viel Potential im afrikanischen Fußball

Wie man sieht, ist der afrikanische Kontinent auch fußballerisch sehr facettenreich und spannend. Dies liegt natürlich auch daran, dass der Fußball hier sehr eng mit dem Leben und der Gesellschaft verknüpft ist. Trotz Kriegen, Unterdrückung und Armut prägten und prägen die lebensfrohe Mentalität und die bunte Kultur der Afrikaner den Fußball entscheidend und machen ihn zu einem äußerst interessanten Erlebnis.


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Ein Gedanke zu „Die größten Fußball-Talente Afrikas“

  1. Viele arme Afrikaner träumen von einem Leben in Europa. Am ehesten gelingt ihnen dies über den Fussball. Denn mit irgend einem ball-ähnlichen Gegenstand zu trainieren kostet nichts. Irgendmal reichts dann mit dem Kleingeld einiger Jungs für einen richtigen Fussball – und bald kriegen die talentiertesten unter ihnen einen Vertrag…

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