Matthias Mincu: „Ein Trainer lebt von seinen Erfahrungen“

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Matthias Mincu ist mit seinen 22 Jahren bereits Co-Trainer der U19 des 1. FC Magdeburg und ist darüber hinaus am Torwarttraining der Jugendakademie maßgeblich beteiligt. Inside 11 traf ihn zu einem Gespräch über die Arbeit als Trainer, die Position des Torhüters und die erfolgreiche Rückrunde seines Teams.

Inside 11: Herr Mincu, sie sind Co- und Torwarttrainer der U19 des 1. FC Magdeburg, studieren nebenbei und spielen auch noch selbst. Wie sieht ihr Tag denn aus?

Matthias Mincu: Von Montag bis Freitag gibt es eine Trainingseinheit am Nachmittag. Darüber hinaus finden von Montag bis Mittwoch noch zusätzliche Einheiten am Vormittag statt, die Spieler betreffen die auf das Sportgymnasium gehen. Am Wochenende finden dann die Pflichtspiele statt. Zum Glück bin ich im Zusammenstellen meines Stundenplans für das Studium sehr flexibel, wodurch es nie zu Überschneidungen mit den Trainingszeiten kommt. Das eigene Fußballspielen habe ich in letzter Zeit etwas hinten an gestellt.

Inside 11: Am Wochenende gewannen Sie mit 7:0 das Auswärtsspiel beim SSV Markranstädt. Momentan steht Magdeburg punktgleich mit dem Halleschen FC auf dem Rang vier, könnte die Hallenser jedoch noch vom dritten Platz verdrängen, da Ihr Team ein Spiel weniger bestritten hat. Am 15. Spieltag standen Sie noch auf Platz 10. Woher diese positive Entwicklung?


Mincu: Dieser Sprung in der Tabelle hängt eng mit der Mentalität zusammen. Die letzten Jahre waren in der Jungend oft nicht einfach, beispielsweise fasste der Kader der A-Jugend Mannschaft im letzten Jahr lediglich 14 bis 15 Spieler. Neben der geringen Auswahl für den Trainer leiden auch Mentalität und Motivation unter solch einem Zustand. In dieser Saison ist die Disziplin, auf die wir als Trainerteam hohen Wert legen, aber deutlich höher. Die Jungs haben verstanden was wir von ihnen wollen und jeder zieht mit.

Inside 11: Läuft die Saison, so wie Sie jetzt stehen, denn besser als erwartet?

Mincu: Auf jeden Fall läuft die Saison momentan besser, als nach den ersten 10 Spielen erwartet (lacht). Wir sind in der Rückrunde noch ungeschlagen, haben aus den letzten 10 Partien nur eine Niederlage davongetragen, wir sind sehr zufrieden momentan.

Inside 11: Sie sind mit ihrer Mannschaft im Rennen um die Aufstiegsplätze dabei, wie schätzen Sie Ihre Chancen ein und wie wichtig ist dieser Aufstieg?

Mincu: Bei dem Blick auf die Tabelle fällt ja auf, dass es oben sehr eng zugeht, Energie Cottbus mal ausgenommen. Von Platz zwei bis runter zu den Plätzen zehn und elf ist alles möglich. Bei zwei Niederlagen könnten wir schon auf dem achten oder neunten Platz stehen. Deshalb beschäftigen wir uns erstmal nicht mit dem Aufstieg. Er würde dem Verein zweifelsohne helfen, ist jedoch nicht das ausgegebene Ziel.

Inside 11: Konnten Sie denn schon Jungs aus Ihrem Kader zum Profi-Debüt verhelfen?

Mincu: Ja. Tarek Chahed (sieben Tore in der Regionalliga) stand schon mehrmals bei Pflichtspielen im Kader der Profis, und hat vor kurzem auch einen Profivertrag unterschrieben. Ebenfalls arbeiten wir seit dem Start der Rückrunde mit einem Fördertraining, das sich gesondert um die Jugendspieler kümmert, die ein hohes Potential haben. Generell kann man sagen dass die Durchlässigkeit beim 1. FC Magdeburg relativ hoch ist. Wer die Perspektive hat, kann es bei uns definitiv schaffen.

Inside 11: Sie standen, beziehungsweise stehen als Spieler selbst noch ab und an zwischen den Pfosten. Für wie hilfreich halten Sie es denn im Allgemeinen, als Trainer früher ebenfalls aktiv auf dem Rasen gewesen zu sein?

Mincu: Ich glaube schon, dass das sehr wichtig ist. Ein Trainer lebt von Erfahrungen, sowohl von denen als aktiver Spieler, als auch von solchen, die er tagtäglich in seiner Arbeit als Trainer macht. Allerdings ist es sehr gefährlich sich nur auf eigene Erfahrungen zu verlassen. Fußball entwickelt sich permanent weiter, daher ist es essentiell sich stets diesen Entwicklungen anzupassen und dazu lernen zu wollen.

Inside 11: Vor kurzem betonte Florian Sowade im Interview mit Inside 11, dass der Torwart eine spezielle Rolle spielt, weil es auf dieser Position keine Rotation gibt. Wo sehen Sie die Besonderheiten des Torwarts?

Mincu: Ich würde auch sagen, dass dem Torwart eine gesonderte Rolle zukommt. Ein Stück weit ist man im Tor immer Einzelkämpfer, da ein Fehler auf dieser Position spielentscheidend sein kann. Dadurch ist der psychische Druck, im Vergleich mit den Feldspielern, höher. Nicht umsonst hat ein Torwart im Training ganz andere Aufgaben als der Rest der Mannschaft und hat auch im Spiel andere Schwerpunkte als seine Teamkollegen.

Davie Selke hat Alles, was man braucht. – Matthias Mincu

Inside 11: Alle Welt schwärmt von Manuel Neuer, darüber hinaus gibt es in Deutschland noch viele weitere Spitzen-Torhüter. Wie würden Sie die drei Plätze in der Nationalmannschaft vergeben und welcher Torhüter hat Sie in dieser Bundesliga Saison am meisten überzeugt?

Mincu: Das ist von außen natürlich schwer zu beurteilen, da man ja keine Trainingseindrücke oder ähnliches hat. Jedoch glaube ich, dass Manuel Neuer, Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler ihren Job in der Nationalelf sehr gut machen. Dazu gefallen mir auch die beiden U21-Torhüter Bernd Leno und Marc-André ter Stegen sehr gut. Wer mir in dieser Saison fernab der Nationalelf noch positiv aufgefallen ist, ist Timo Horn, der gerade auf der Linie sehr stark ist.

Inside 11: Gibt es in der Bundesliga auch einen Feldspieler der Sie überrascht hat?

Mincu: Es gab in dieser Spielzeit tatsächlich einen Spieler, bei dem ich bereits ab dem ersten Spiel alle Fähigkeiten gesehen habe, die es für diese Position braucht: Davie Selke. Er kann hervorragend Bälle halten, hat eine saubere Ballannahme und ist auch im Spiel ohne Ball schon sehr weit. Das ist alles sehr beeindruckend für einen Spieler, der direkt aus der Jugend kam.

Inside 11: Woher kommt es, dass Deutschland auf der Position zwischen den Pfosten quasi schon immer überragend besetzt ist?

Mincu: Generell wird in Deutschland sehr darauf geachtet, welche Statur ein Torhüter hat, womit schon mal gute Grundvoraussetzungen gegeben sind. Darüber hinaus gibt es für jeden Jahrgang immer große deutsche Torhüter, an denen sich die Nachwuchsspieler orientieren können. Dadurch wird diese Entwicklung mit Sicherheit noch anhalten.

Inside 11: Wie hat sich das Torwartspiel Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Mincu: Hier sollte man zuerst schauen, wie sich der Fußball im Ganzen in den letzten Jahren verändert hat. Die markanteste Änderung ist sicherlich das Mitspielen des Torwarts. Teilweise agieren Torhüter heute wie ein Libero, was dadurch zu erklären ist, dass momentan sehr hoch gepresst wird. Das Mittelfeld rückt bei Ballbesitz des Gegners sehr weit nach vorn, logischerweise muss die Abwehr nachziehen, damit der Raum zwischen beiden Ketten nicht zu groß wird. Am Ende der Kette steht dann der Torwart, der ebenfalls höher stehen muss als früher.

Inside 11: Ist dieses „Mitspielen“ eine Notwendigkeit oder eine Stilfrage?

Mincu: Ein Torwart muss in der Lage sein, den Ball mit dem ersten Kontakt kontrollieren zu können, auch ein langer Ball zum Mitspieler darf keine Probleme bereiten. Allerdings heißt das natürlich nicht, dass der Torwart technisch auf höchstem Niveau sein muss, wie es beispielsweise Manuel Neuer ist. Bei all dem „Mitspielen“ sollte man nie die Hauptaufgabe des Torhüters vergessen. Die ist es nun mal Tore zu verhindern. Jeder noch so gut mitspielende Torwart hat im Spiel mindestens drei oder vier entscheidende Situationen, in denen es darum geht Bälle abzuwehren. Auf diese Situationen muss ein Torwart vorbereitet sein, deshalb darf das im Training nicht vernachlässigt werden.

Inside 11: Und wie sieht die Zukunft des Torwartspiels aus?

Mincu: Mit Sicherheit wird dieser wagemutige, offensive Stil bestehen bleiben. Die Torhüter werden in Zukunft technisch noch stärker werden. Auch denkbar ist eine größere Einbindung des Torhüters ins Aufbauspiel, so könnte der Torwart bei eigenem Ballbesitz beispielsweise die Rolle des Sechsers in einer Art Torwartkette“ einnehmen, der oft zwischen die beiden Innenverteidiger rückt.

Das Interview führte Florian Papenfuhs exklusiv für Inside 11.


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