Regelvorschläge von van Basten: Für den Fußball!

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Marco van Basten versprüht Tatendrang. Kürzlich hat er den Medien zehn Ideen verraten, die dem Fußball ein ein neues Gesicht verpassen könnten. Neue Regeln, noch dazu von der ungeliebten FIFA – das klingt erstmal ganz pauschal nach einer Schnapsidee. Doch in einigen Vorschlägen steckt tatsächlich eine Menge positives Potential.

Die Nettospielzeit: Ein richtiger Ansatz

Andere Sportarten sind dem Fußball in diesem Punkt weit voraus: Durch scharfe Eingriffe in die Spielregeln sind diverse Unsitten, die momentan dem Fußball schaden, verschwunden. Sei dies Zeitspiel, Reklamieren oder die Ungerechtigkeit falscher Schiedsrichterentscheidungen.

Eishockey, Handball, American Football oder Tennis haben Regeln geschaffen, die den Sport fairer machen. In gewissen Bereichen könnte unser geliebtes Spiel durchaus nachziehen.


Das sieht wohl auch Marco van Basten so. Der Niederländer – seit letztem Oktober technischer Direktor bei der FIFA – erkennt durchaus die Probleme, denen sich der Fußball zu stellen hat und liefert diskutable Lösungsansätze.

Van Basten stört sich unter anderem am Zeitspiel. Eine Nettospielzeit, zumindest für die Schlussphase – wieso denn nicht? Es würde den Versuchen, Zeit zu schinden, jeden Sinn nehmen. Mannschaften, die einen Vorsprung über die Runden bringen wollen, müssten sich so neue, spielerische Lösungen ausdenken, um den Druck von ihrem Tor fernzuhalten.

Die Sport Bild stoppte 2013 die effektive Spielzeit bei Bundesliga-Partien und kam im Schnitt auf 57 Minuten, in denen effektiv gespielt wird. Den Rest verbrachten die Teams mit Auswechslungen, Verletzungspausen, Reklamieren und weiteren spielfremden Tätigkeiten.

Es ist ärgerlich für jene Mannschaften, die die Zeit als ihren Gegner wissen, dass über ein Drittel der Zeit gar nicht effektiv zur Verfügung steht. Es wäre allen Teilnehmern gegenüber nur fair, würde die Spieldauer auch effektiv ausgespielt. Sei dies auch nur in der Schlussphase.

Zeitstrafe? Wieso nicht!

Der Gedanke einer Zeitstrafe schlägt in dieselbe Kerbe. Momentan ist es zu einfach, konstruktiven Fußball durch Fouls zu zerstören. Erst wenn ein aussichtsreicher Angriff zerstört wird oder ein Spieler brutal einsteigt, kommt die gelbe Karte ins Spiel.

Diese verändert erstmal aber gar nichts und bringt nur langfristig einen Nachteil mit sich. Theoretisch kann jeder Spieler eines Teams einmal einen schnellen Gegenstoß unterbinden und sich dazu einige kleinere Foulspiele leisten.

Durch eine Zeitstrafe bei taktischen Fouls oder bei jedem dritten Foulspieles eines Spielers wäre das um eine mögliche Torchance betrogene Team viel besser geschützt – denn es könnte in der Folge noch besser angreifen.

In der Schweiz wird im Juniorenbereich jede gelbe Karte gleichzeitig mit einer zehnminütigen Zeitstrafe versehen. Die Folge ist eine vollkommen andere Herangehensweise der Trainer. Sie halten ihre Jungs an, sich möglichst keine Karten zu holen. Es gibt kaum fairere Spiele.

Schnapsideen sind auch dabei

Natürlich holt van Basten zu weit aus. Das Abseits abzuschaffen würde beispielsweise tiefgreifend in die Struktur des gesamten Spiels einwirken. Da Pressing und eine hochstehende Abwehrlinie grundsätzlich nicht mehr möglich wären, würde eine solche Regel offensiven, mutigen Fußball klar verhindern.

Das sollte nicht Sinn und Zweck sein. Auf einen Shootout könnten wohl die meisten Fans ebenso gut verzichten, außer sie wollen auch nach Ablauf der Spielzeit weiter über mögliche Fouls diskutieren.

Lösungen gesucht

Obwohl Marco van Basten etwas über das Ziel hinaus schießt, sollte anerkannt werden, dass er durchaus ein Auge für die Probleme des Fußballs hat. Besser kurz- als langfristig müssen Veränderungen her, die Zeitspiel, ständiges Reklamieren und Fehlentscheide möglichst aus dem Spiel verbannen.

Akteure und Betrachter sollen sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: Das Spiel an sich, den Ball am Fuß. Darin war auch van Basten einer der besten.


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