Das verrückteste Spiel der Fußball-Geschichte

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Viele Tore, zahlreiche Platzverweise oder dramatische Wendungen reichen oft aus, um ein Fußballspiel als verrückt oder ungewöhnlich zu bezeichnen. In der langen Geschichte des Fußballs gab es aber ein Spiel, das als eines der verrücktesten Spiele der Fußball-Historie gilt: Im Qualifikationsspiel zum Carribean Cup 1994 zwischen Barbados und Grenada versuchten beide Teams Eigentore zu erzielen – und das aus gutem Grund.

Der Carribean Cup ist ein seit 1989 von der Caribbean Football Union (CFU) ausgetragenes Turnier für die Nationalmannschaften der Karibik. Der Wettbewerb hat durchaus sportlichen Wert, da sich der Sieger für den CONCACAF Gold Cup, das amerikanische Äquivalent zur Europameisterschaft, qualifiziert.

Das doppelte Golden Goal

Im Jahr 1994 sollte Trinidad und Tobago die Endrunde des Carribean Cup austragen. Die Qualifikation dafür wurde in sechs Gruppen mit jeweils drei oder vier Mannschaften ausgespielt, allerdings führte man eine seltsam anmutende Regel ein: Um den Wettbewerb interessanter zu gestalten, wurde festgelegt, dass jedes Spiel einen Sieger bräuchte. Unentschieden sollte es nicht geben. Bei einem Gleichstand nach 90 Minuten würde ein Spiel also in die Verlängerung gehen. Diese sollte nach dem ersten gefallenen Tor enden (Golden Goal), jedoch sollte dieses Tor doppelt gewertet werden. Der Hintergedanke: In der Gruppentabelle kann bekanntlich auch das Torverhältnis ausschlaggebend sein. So sollte der „Nachteil“ ausgeglichen werden, dass durch die Golden-Goal-Regel keine Chance mehr auf weitere Treffer besteht.


Barbados, Grenada und Puerto Rico waren in Gruppe 1 des Qualifikationswettbewerbs gelost worden. Im ersten Spiel unterlag Barbados Puerto Rico mit 0:1, zwei Tage später schlug Grenada Puerto Rico 2:0 mit einem Golden Goal in der Nachspielzeit. Die Gruppentabelle wurde also von Grenada mit 3 Punkten (Tordifferenz +2) vor Puerto Rico (3 Punkte, -1) und Barbados (0 Punkte, -1) angeführt. Im verbleibenden Spiel musste Barbados somit mit mindestens zwei Toren Vorsprung gegen Grenada gewinnen, um eine Chance auf den Gruppensieg und damit auf die Qualifikation zum Gold Cup zu haben.

Grenadas Sturm auf beide Tore

Am 27. Juni 1994 kam es dann zu einem der ungewöhnlichsten Spiele der Fußball-Geschichte: Das Match startete und Barbados erzielte tatsächlich zwei Tore, die für ein Weiterkommen reichen würden. In der 83. Minute änderte sich die Situation, als Grenada den Anschlusstreffer erzielte. Mit dem 2:1 hätte Grenada den Gruppensieg sicher, falls der Barbados nicht das 3:1 erzielen würde. Das Team von Barbados versuchte naturgemäß alles, um den entscheidenden Treffer in den letzten Minuten zu erzielen, änderte aber dann plötzlich seine Strategie.

In der 87. Minute stoppte Barbados die Angriffsbemühungen. Verteidiger Sealy und Torhüter Stoute passten sich den Ball hin und her und schossen den Ball schließlich absichtlich ins eigene Tor. Mit dem neuen Spielstand von 2:2 wollte sich Barbados in die Verlängerung retten, um dort mit einem Golden Goal – das bekanntlich doppelt zählte – den nötigen Zwei-Tore-Abstand wiederherzustellen. Die Mannschaft von Grenada realisierte, was der Gegner plante und versuchte nun ihrerseits, ein Eigentor zu erzielen, um die Verlängerung zu umgehen. Barbados schaffte es tatsächlich drei Minuten lang erfolgreich beide Tore zu verteidigen. Das Spiel ging bei einem Stand von 2:2 in die Verlängerung, in der Thorne für Barbados das Golden Goal zum 4:2 erzielte. Barbados war mit drei Punkten und einer Tordifferenz von +1 vor Grenada und Puerto Rico Gruppensieger.

Was danach geschah

Das Spiel hat überraschend wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten, in der Pressekonferenz nach dem Spiel gab der grenadische Trainer James Clarkson zu Protokoll:

I feel cheated. The person who came up with these rules must be a candidate for a madhouse. The game should never be played with so many players running around the field confused. Our players did not even know which direction to attack: our goal or their goal. I have never seen this happen before. In football, you are supposed to score against the opponents to win, not for them.

Barbados schied später im Carribean Cup übrigens als Gruppendritter aus dem Wettbewerb aus. Im Folgejahr wurde die Regel abgeschafft und der bewährte Gruppenmodus ohne Verlängerung angewendet.


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