Jonatan Soriano: „Man sollte Red Bull Salzburg respektieren“

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Der spanische Stürmer Jonatan Soriano ist mit 30 Toren in 30 Spielen in dieser Saison einer der erfolgreichsten Stürmer Europas. Der Kapitän von Red Bull Salzburg, der erst kürzlich seinen Vertrag verlängert hat, stellte sich im Trainingslager in Doha den Fragen von Inside 11. Im Interview spricht er über seine Leistungen, über einen Wechsel nach Leipzig und richtet sein Wort an die Fußballromantiker, die die Entwicklung der Red-Bull-Vereine kritisch verfolgen.

Inside 11: Mit 30 Toren in 30 Spielen – also einer Torquote von 1,0 – gehören Sie derzeit zu den besten Torjägern Europas. Insgesamt haben Sie in dieser Saison sogar mehr Tore gemacht als Cristiano Ronaldo. Was bedeutet Ihnen das?

Jonatan Soriano: Es ist nicht alltäglich, dass man in einer Statistik vor Spielern wie Cristiano Ronaldo und Messi liegt. Natürlich freue ich mich darüber. Außerdem heißt das auch, dass wir als Mannschaft ein sehr gutes Jahr hatten, national und international. Aber ich weiß diese Wertung auch richtig einzuschätzen, weiß, dass es nur Zahlen sind.


Inside 11: Aus diesem Anlass wurden Sie auch für das UEFA Team des Jahres nominiert. Was halten Sie von solchen Auszeichnungen wie dem Team des Jahres oder dem Ballon d’Or?

Soriano: Es war, glaube ich, das erste Mal, dass ein Spieler von Red Bull Salzburg in dieser Wahl dabei war. Es ist also schon eine Ehre, da dabei zu sein. Und das heißt vor allem auch, dass die Leistungen unserer Mannschaft registriert wurden.

Inside 11: Ist Ronaldo zu Recht Weltfußballer geworden? Wem hätten Sie den Preis gegönnt?

Soriano: Da wurde sehr viel diskutiert. Ich denke aber, dass diese Wahl schon in Ordnung ist, auch wenn für mich persönlich Messi der beste Spieler war.

Inside 11: Ihre Leistungen blieben natürlich auch bei anderen Vereinen nicht unbemerkt. In welcher Liga würden Sie gerne mal spielen und welche Anforderungen müsste der Verein mit sich bringen?

Soriano: Ich habe keine bestimmte Liga im Visier, keine besonderen Vorlieben. Ich kenne die spanische und die österreichische Liga, ob noch weitere dazu kommen, kann ich jetzt nicht sagen.

Inside 11: Wären Sie im Falle eines Angebotes einverstanden, nach Leipzig zu wechseln?

Soriano: Ich fühle mich bei Red Bull Salzburg sehr wohl. Deshalb habe ich auch meinen Vertrag vor Kurzem bis 2018 verlängert. Ich bin ein Mensch, der in der Gegenwart lebt. Was in Zukunft passieren wird, kann ich nicht sagen.

Inside 11: Sie sind mehrmals für Jugendmannschaften Spaniens aufgelaufen, jedoch noch nie für die A-Mannschaft. Nun wäre es doch einmal an der Zeit für eine Einladung, oder nicht?

Soriano: Das ist natürlich mein Ziel, dafür arbeite ich jeden Tag hart. Aber ich weiß auch, dass es sehr schwierig ist, weil Spanien über sehr viele ausgezeichnete Stürmer verfügt.

Inside 11: Zurück nach Salzburg: Nach den Transfers von Mané, Kampl und Ramalho sprechen die Medien schon von einem „Ausverkauf“. Wie ist ihre Meinung dazu?

Soriano: Wir hatten letztes Jahr eine super Mannschaft und es war klar, dass unsere Spieler dadurch für andere Clubs interessant wurden. Jetzt müssen wir wieder eine gute Mannschaft aufbauen und wir haben viele junge Spieler, die das Potential haben, so gut wie Kampl, Mané oder Alan zu werden. Aber sie brauchen noch Zeit. Ich denke aber auch, dass uns ein Spieler mit Klasse und Erfahrung gut tun würde, vor allem weil das Erreichen der Champions League ja unser großes Ziel ist.

Inside 11: Salzburg ist schon wieder auf Meisterkurs. Denken Sie, dass Red Bull Salzburg in nächster Zeit vom Thron gestoßen werden kann? Oder ist die Lücke zu groß?

Soriano: Wenn wir konzentriert spielen und nicht viele Verletzte haben, wird es für die anderen Teams in Österreich sehr schwierig, uns zu besiegen. Klar ist aber auch, dass wir alles dafür tun werden, um auch nächste Saison wieder international zu spielen. Die Champions League bleibt – wie bereits gesagt – unser großes Ziel.

Inside 11: Auch in der Europa League läuft es derzeit rund. Kann Salzburg den Wettbewerb gewinnen? Könnten Sie sich vorstellen, dass Red Bull in absehbarer Zeit eine feste Größe im europäischen Fußball wird?

Soriano: Ja, das glaube ich schon. Wir haben in den letzten beiden Jahren ja schon gezeigt, dass wir eine starke Mannschaft haben und in der Europa-League-Gruppenphase bis auf ein Spiel alles gewonnen. Und wir wollen auch in Zukunft in der Europa oder Champions League mit dabei sein.

Inside 11: Was sagen Sie zu den Meinungen der „Fußballromantiker“, die diese Entwicklung negativ betrachten?

Soriano: Ich verstehe, dass manchen Fans ein Klub mit langer Tradition wichtig ist. Aber Red Bull Salzburg gibt es jetzt auch schon rund zehn Jahre in dieser Form. Der Klub hat schon einiges geleistet, hat ein tolles Stadion und eine außergewöhnliche Struktur. Wir werden uns noch weiterentwickeln. Und im Leben kommen immer neue Dinge dazu. Das ist einfach so, das sollte man respektieren.

Inside 11: Und noch zum Ende: Was sind Ihre persönlichen Ziele für das Jahr 2015?

Soriano: Mein Ziel ist, mich als Fußballer ständig weiter zu verbessern. Wenn das klappt, ergeben sich Erfolge – mit der Mannschaft und auch individuell – zumeist von allein.

Das Interview führte Dominic Monn exklusiv für Inside 11.


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