Knackt Aubameyang Gerd Müllers Torrekord?

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(Wann) wird Bayern Meister? Kommt Hertha in die Champions League? Brechen Darmstadt oder Ingolstadt noch ein? Und knackt Aubameyang den Torrekord von Gerd Müller? Zum Start der Rückrunde werden einige Themen heiß diskutiert. Passend dazu haben unsere Autoren ihren Standpunkt zu vier Thesen abgegeben.

Bayern und die Meisterschaft

„Bayern wird diese Saison schon im März Meister!“

Lukas: Gut möglich! Klar, Dortmund hat eine nahezu perfekte Vorbereitung hinter sich und auch Aubameyang kündete ja an, sich weiter an Bayerns Fersen heften zu wollen. Die haben sich ja nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert: 1:2 gegen den KSC, in der Vorbereitung lag der Fokus viel mehr auf dem 15-Jährigen Torwart als auf konkreten sportlichen Belange der Mannschaft.

Doch nun wird eine „Jetzt erst Recht“-Reaktion die Folge sein. Sammer kann das machen, was er am liebsten macht: Mahnen und wachrütteln. Bayern wird mit erhöhter Vorsicht und Bereitschaft starten – da hat kaum ein Bundesligist die Chance, auch nur ansatzweise auf Augenhöhe mitzuspielen.


Timo: Vielleicht auch schon Anfang Februar… gähn! Mal im Ernst: Ich denke, der feststehende Guardiola-Weggang wird sich nicht in der Leistung niederschlagen. In keine von beiden Richtungen – auf jeden Fall schon gar nicht negativ. Das sind alles Siegertypen, titelhungrig – denen ist doch egal, ob da aktuell jemand an der Seitenlinie sitzt, der nächstes Jahr nicht mehr da ist.

Die wollen nur eins: Titel sammeln! Und dass die Bundesliga nicht wirklich spannend ist – zumindest an der Spitze – mache ich den Bayern nicht zum Vorwurf. Die arbeiten einfach nur sauber und höchstprofessionell. Bayern wird Meister – und dieses Mal wird Konzentration auch danach noch hochgehalten, obwohl der Titel wieder sehr früh feststehen wird. Alle wollen diesmal auch die Champions League holen. Und aus seinen Fehlern der ersten zwei Spielzeiten hat Pep auch gelernt. Ohne (nennenswerten) internationalen Titel will sich der Ehrgeizling nicht verabschieden!

Philip: Nein. Die Bayern werden zum Ende der erfolgreichen und doch ungekrönten Ära des großen Pep Guardiola sehr an ihrer Unverwundbarkeit einbüßen. Juventus Turin wird ihnen in zwei Schlachten all ihre Schwächen aufzeigen und damit den Bundesligisten ein Musterbeispiel geben. Dortmund hat durchaus noch Chancen. Der FC Bayern wird in diesem Frühjahr entzaubert.

Florian: Dass einzelne Akteure sich hängen lassen, weil ab Sommer der Trainer weg ist, wird nicht passieren. Der FC Bayern strotzt nur so vor Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Erfahrung. Darüber hinaus verfügen sie über den wahrscheinlich besten Kader der Welt. Ob die Elf von Guardiola nun bereits im März Meister wird ist schwierig zu sagen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass der Vorsprung auf den BVB nicht mehr kleiner wird.

Herthas Höhenflug

„Hertha BSC schafft die Champions League!“

Timo: Das Überraschungsteam der Hinrunde! Schwächelt die deutlich höher ambitionierte Konkurrenz weiter, könnte womöglich die Europa League drin sein. Mehr aber auch nicht. Und selbst dann müsste für die Hauptstädter wieder alles zusammenlaufen. Vor dem Winter griff nämlich jedes Rädchen ins andere, jedes noch so knappe Duell mit der direkten Konkurrenz ging an die Hertha.

Doch gegen die Spitzenteams sah die Hertha mit dem abschussstarken Kalou kein Land. Und Novize Pal Dardai muss auch erstmal beweisen, mehr als nur eine Halb-Serie zu können. Zur Erinnerung: Unter Viktor Skripnik wanderte Werder in der vergangenen Saison vom Relegationsplatz zur Winterpause hinauf auf einen sicheren Mittelfeldplatz, Europa in Blickweite. Warum sollte das nicht auch anders herum gehen?

Florian: Die Alte Dame aus Berlin hat in den letzten Transferperioden clever agiert und mit Pal Dardai anscheinend einen Trainer der seine Spieler genau kennt, und gut mit ihnen umzugehen weiß. Berlin spielt eine herausragende Saison, die dennoch am Ende nicht für die Champions League reichen wird.

Die Erklärung dafür ist simpel: die Konkurrenz ist schlichtweg zu groß. Hertha ist im Moment auf dem dritten Rang, hat jedoch direkt hinter sich mit den wiedererstarkten Gladbachern, Bayer 04 Leverkusen, dem FC Schalke 04 und dem Vorjahreszweiten VfL Wolfsburg ganze vier Teams die alles daran setzten werden in die Champions League einzuziehen. Mein Tipp: Hertha wird die Bundesliga nächstes Jahr in der Europa League vertreten.

Philip: Paris, London, Madrid. Europaweit sind Hauptsstädte Big Player im Europapokal. Und in der Bundesrepublik? Die Hertha pendelte ewig zwischen erster und zweiter Liga, ohne konstant international zu spielen. Schade eigentlich. Berlin hat einen einzigartigen Flair, eine solche Stadt verdient den Europapokal. Und das nicht nur wenn die UEFA das Endspiel in die Spree-Metropole legt. Klar ist der Kader ein wenig zu schwach um wirklich Gewicht in der Champions League zu haben. Aber wenn man weiter so klug investiert, könnte das der Start in eine goldene Ära der Berliner werden.

Lukas: Höchsten Respekt vor Pal Dardai! Ein bodenständiger, pragmatischer Trainer der höchste Effizienz erarbeitet hat. Clever auch, im Winter auch personell nicht viel zu verändern und unaufgeregt weiterzuarbeiten. Aufmerksamkeit erregte man nur durch den Kurt-Transfer. Perspektivisch gesehen kann man nichts falsch machen.

Zurück zur These: Bis dato profitierte man auch von schwachen Leistungen aus Leverkusen und Gelsenkirchen. Dass die in der Rückrunde weiter nach oben wollen, hat sich jetzt deutlich gezeigt: Es wird ganz spannend – die Hauptstädter haben noch das ein oder andere Wörtchen mitzureden.

Überraschend starke Aufsteiger

„Darmstadt und Ingolstadt? Die brechen noch komplett ein!“

Timo: Beide Aufsteiger steigen direkt wieder ab – wie langweilig! Und doch ziemlich gut möglich. Recht sicher bin ich mir, dass es Darmstadt treffen wird. Respekt, was dort die letzten Jahre passiert ist. Doch die Spielweise aus der Hinrunde, quälend für die Gegner, teilweise auch für die Zuschauer, wird sich nicht auf Dauer bewähren. Das Kick-and-rush, das Ausreizen der Regeln – es ging schon viel zu lange gut.

Bessere Chancen hat Ingolstadt, ein gefestigtes Team, in jedem Mannschaftsteil solide und eingespielt. Und die Schwachstelle hat man erkannt, mit Dario Lezcano einen Stürmer verpflichtet. Könnte aufgehen, zumal Hannover und Bremen viel heißer auf den Abstieg zu sein scheinen.

Florian: Bei Darmstadt bin ich mir da recht sicher. Die Qualität ist nicht ausreichend, Erstligaerfahrung haben zwar gerade die neuen Spieler – dennoch wird es am Ende nicht reichen, da dem VfB, Werder und vor allem der Eintracht aus Frankfurt zuzutrauen ist, im Laufe der Rückrunde an den Lilien vorbeizuziehen.

Anders ist die Sachlage bei Ingolstadt. Es wird hervorragend gearbeitet: Ingolstadt wird den Klassenerhalt schaffen und im Sommer jede Mühe haben, einige Spieler und Trainer Hasenhüttel zu halten. Sollten die Schanzer ihre Klasse im zweiten Jahr bestätigen können, traue ich ihnen eine ähnliche Entwicklung wie die des FC Augsburg zu. Für diese Saison sollte der Abstieg in Ingolstadt jedoch kein Thema mehr sein.

Philip: Der SV Darmstadt 98 hat gezeigt, dass es noch Märchen gibt in der harten Businesswelt, die wir Profifußball nennen. Grimms Märchen enden meistens damit das alle Protagonisten glücklich bis an ihr Lebensede verweilen. Der Profifußball ist wahrlich keine Märchenwelt. Darmstadt wird noch ordentlich unter die Räder kommen. Der Abstieg ist unvermeidlich. Der Aufstieg war einfach zu märchenhaft. Die Hessen werden sich wohl in Zukunft in der zweiten Liga einpendeln.

Ingolstadt hat da eine ganz andere Perspektive. Mit ihrer eher destruktiven Art des Fußballs werden sie sich behaupten können. Und das wird erst der Anfang sein. Wenn die DFL den Zwängen des Geldes unterliegt und die 50+1 Regel kippt, wird Audi einen Gang hoch schalten und dann geht in Oberbayern die Post ab. Titelrennen zwischen Wolfsburg, RB Leipzig und Ingolstadt werden in naher Zukunft bittere Realität sein.

Lukas: Ingolstadt hat sich sportlich ziemlich entblößt in der Vorrunde. Auch durch den Lezcano-Transfer kann und muss man sich jetzt neu orientieren, die Konkurrent schläft nicht. Darmstadt wird in der Rückrunde viele Spiele verlieren: Einer von beiden steigt mit Sicherheit wieder ab!

Dortmunds Super-Stürmer

„Aubameyang pulverisiert Gerd Müllers Torrekord!“

Philip: 18 Tore. Das ist eine Ansage, keine Frage. Pierre-Emerick Aubameyang macht einfach nicht den Eindruck als ob er demnächst mal schwächeln würde. Ungerechtfertigte Kritik, wie die von Yaya Toure, werden den Gabunier nur noch weiter anheizen. Der Mann ist einfach der Garant für ein spannendes Titelrennen. Wenn sich der Borusse – Gott bewahre – nicht verletzt, sehe ich keinen Grund, warum der Gabunier nicht den ewigen Rekord von Gerd Müller überflügeln sollte.

Florian: Die Chancen standen gefühlt seit Ewigkeiten nicht mehr so gut. Aubameyang hat in diesem Jahr die realistische Möglichkeit, den Rekord zu knacken. In den letzten Jahren gelang so eine Quote nur Vedad Ibisevic, der für die frisch aufgestiegene TSG Hoffenheim in der Saison 2008/09 ebenfalls 18 Treffer erzielte. Im Fall Ibisevic werden wir nicht rausfinden ob er die 40er-Marke geknackt hätte: er verletzte sich und konnte in der Rückrunde keinen Treffer mehr erzielen. Auch das gesamte Team brach ein, die TSG wurde nach der Herbstmeisterschaft am Ende Siebter.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Spitzenleistungen Ibisevics viel mit einer großen Aufstiegseuphorie zu tun hatten, wohingegen der Erfolg Aubameyangs berechnet ist. Der comicaffine Gabuner ist ein Weltklasse-Stürmer und hat seitdem für den BVB aufläuft immer gute Leistungen gebracht. Und das selbst in der letzten Saison, als unter Klopp alle anderen Spieler wie ausgewechselt wirkten. Tuchel hat die Entwicklung seines Top-Stürmers in dieser Saison unaufhaltsam voran getrieben. Das Ende dieser Entwicklung? 35 Tore und Angebote aus ganz Europa.

Timo: Nein. Das schafft Aubameyang nicht. Und auch sonst wird das in Zukunft niemand schaffen. Aber, Gerd Müller hält ja nicht nur den besten Wert einer BL-Saison (40 Treffer, 1971/72), sondern auch den zweitbesten (38 Tore, 1969/70) und drittbesten (36 Tore, 1972/31) – vielleicht rutscht Aubameyang mit seinen 18 Toren nach der Hinrunde ja immerhin in die Top 3.

Doch auch das wird wohl nicht passieren. Sollte aber auch nicht allzu sehr im Vordergrund stehen – Aubameyang macht auch nicht den Eindruck, einzig Rekorde zu jagen, sondern mit dem Team erfolgreich sein zu wollen. Für den BVB hieße das: Rang zwei verteidigen. Das wird klappen. Mit einem erneut starken Aubameyang, in Abschluss wie Torvorbereitunng. In der Hinrunde war der Gabuner nur eins: Weltklasse.

Lukas: Der extravagante Aubameyang ist in keinster Weise mit dem Gewohnheitsmensch Gerd Müller zu vergleichen, nicht in charakterlicher und schon gar nicht in sportlicher Hinsicht. Zudem sind sportliche Vergleiche über so lange Zeit immer fraglich. Ob ein Rekord geknackt wird oder nicht: Aussagekräftig wird’s nicht.


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