Die Schwalbe – eine grobe Unsportlichkeit?

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Im Profi-Fußball kommt es nicht selten vor, dass Männer mit einer Länge von 1,90 Meter und mit einem Gewicht von 80 Kilogramm aufwärts bei der kleinsten Berührung hinfallen und dabei schreien, als hätte sie der Schlag getroffen: Spieler versuchen aus einer unvorteilhaften Situation einen eigenen Vorteil zu ziehen. Durch Schwalben kann es zu spielentscheidenden Situationen kommen. Ist die Schwalbe eine grobe Unsportlichkeit für die eine Rote Karte fällig werden sollte?

Wann darf der Schiedsrichter die Rote Karte zücken?

Die Rote Karte ist die härteste Bestrafung im Fußball. Sie zieht eine Sperre unterschiedlicher Länge nach sich. Diese ist wiederum abhängig von der Härte des Vergehens. Für ein Fehlverhalten der folgenden Art kann die Rote Karte im Fußball gezeigt werden.

  • Die Anwendung von Gewalt
  • Das absichtliche Anspucken einer Person
  • Grobe Fouls (bspw. Tackling von hinten)
  • Beleidigungen in Form von Worten oder Gesten
  • Absichtliches Handspiel, sofern eine Tor(chance) verhindert wird (Ausnahme: Torhüter im Strafraum)
  • Eine zweite Verwarnung wird mit der Gelb-Roten Karte bestraft

Die Schwalbe taucht nicht in dieser Aufzählung auf. Aber es können Vergleiche angestellt werden. Könnte das absichtliche Provozieren eines Elfmeters nicht als Beleidigung gegenüber dem Schiedsrichter, der gegnerischen Mannschaft und den Fans gewertet werden? Oder ist nicht sogar ein Umkehrschluss zum absichtlichen Handspiel zu ziehen? Dort wird ein Tor aller Voraussicht nach verhindert oder das Herausspielen einer Großchance blockiert. Bei der Schwalbe wird eine fabelhafte Torchance, ein Freischuss ohne Gegenwehr der Feldspieler, zu Unrecht gewährt.


Auch wenn nicht direkt in den Regeln festgeschrieben, so ist die Forderung für die Schwalbe eine Rote Karte zu zücken nicht von der Hand zu weisen!

Was würde die Bestrafung mit Rot bei Schwalbe bewirken?

Kurzfristig ist es sehr wahrscheinlich, dass die Anzahl der Roten Karten zunimmt. Denn die Spieler werden die Gewohnheit im Strafraum zu fallen, ohne vom Gegner berührt worden zu sein, nicht von heute auf morgen ablegen. Langfristig gesehen könnte diese Maßnahme aber durchaus eine positive, weil faire, Änderung darstellen.

Der Spielfluss würde gefördert werden, wenn Spieler nicht mehr absichtlich den feigen Ausweg der Schwalbe wählen. Es würden mehr Chancen herausgespielt werden. Strafraumszenen wären für die Zuschauer interessanter und es würde ein faireres Spiel entstehen. Vor allem würde die Mannschaft gewinnen, welche nach dem regulären Spielverlauf auch gewonnen hätte und nicht diejenige, welche durch einen ungerechtfertigten Elfmeter zu einem Tor gekommen ist.

Rot bei Schwalbe – die Trainer

Die Diskussion Rot für eine Schwalbe zu zeigen stammt nicht erst von gestern. Schon 2007 wurde diskutiert und es konnte keine Einigkeit erreicht werden. Bei den Trainern gab es durchaus unterschiedliche Meinungen. Während einige sich dafür ausgesprochen haben, waren andere dagegen. Ottmar Hitzfeld fand die Rote Karte „zu hart“, andere Trainer verwiesen auf die feinen Unterschiede zwischen Vorsatz, Absicht und dem Foul, welche oftmals kaum erkannt werden können.

Ein interessanter Vorschlag kam vom damaligen Trainer des 1. FC Nürnberg. Hans Mayer empfand Rot ebenfalls als unangemessen. Diese Maßnahme jedoch schon in der F-Jugend einzuführen, um den Spielern von Kindesbeinen an Fairness zu lehren, wäre sein Vorschlag gewesen.

Rot bei Schwalbe – die Spieler

Spieler gibt es noch mehr als Trainer. Auch hier würde keine Einigkeit erreicht werden. Vielmehr könnten insbesondere die Abwehrspieler diese Idee unterstützen, während Angreifern eine Möglichkeit genommen wird. Diese wären entsprechend vielleicht eher dagegen. Aber diese Betrachtung wäre auch von den Mentalitäten und Persönlichkeiten der Spieler abhängig. Es gibt schon jetzt faire und weniger faire Spieler.

Gegen einen harten Einsatz ist oftmals nichts einzuwenden ist. Dass soll hier nochmals betont werden. Eine Schwalbe ist bereits ein Regelverstoß. Dieser wird jedoch nicht mit der Roten Karte geahndet, sondern bestenfalls mit Gelb.

Rot bei Schwalbe – die Schiedsrichter

Die Trainer und Spieler, auch wenn vorab deren Sicht geschildert wurde, haben zu dieser Thematik nur wenig beizutragen. Die Schiedsrichter sind aber für die Umsetzung der Regeln zuständig. Und damit sind wir beim größten Kritikpunkt für die Rote Karte bei einer Schwalbe angekommen – die Schiedsrichter!

Der ohnehin schon große Druck auf die Schiedsrichter würde sich noch weiter erhöhen. Eine Schwalbe und der damit verbundene Elfmeter können spielentscheidend sein. Gleiches gilt aber auch für den umgekehrten Fall. Wenn der Spieler mit Rot vom Platz muss, ist die entsprechende Mannschaft benachteiligt. Dies ist gerechtfertigt, aber nur sofern es wirklich eine Schwalbe war. Aber ist dies im modernen Fußball mit seinem schnellen Spiel so einfach festzustellen?

Im Endeffekt herrscht für die Schiedsrichter wohl bei der derzeitigen Regelumsetzung ein größerer Schutz.

Schwalbe mit Rot bestrafen – eine Zwischenlösung?

Nach der aktuellen Betrachtung muss eingeräumt werden, dass es schwierig ist bei diesem Thema Einigkeit zu erreichen. Die Rote Karte für eine Schwalbe zu zeigen hat Vor- und auch Nachteile. Die aktuelle Regelauslegung lässt Spielraum für Unsportlichkeiten und eine Änderung könnte zu weiteren Ungerechtigkeiten führen.

Eine Möglichkeit beiden Seiten gerecht zu werden ist jedoch nicht ausgeschlossen. Es könnte sich darauf geeinigt werden, dass eine Schwalbe außerhalb des Strafraums weiterhin mit Gelb bestraft wird. Eine Schwalbe innerhalb des Strafraums wird hingegen nicht bestraft. In diesem Fall besteht die Möglichkeit nachträglich noch Karten zu verteilen. In einem Videobeweis könnte die Schwalbe sicher enttarnt und schließlich mit der Roten Karte und einer Spielsperre bestraft werden. Wenn eine Pause von zwei Spielen zur Debatte steht, würden Schwalbenkönige ihre diesbezüglichen Aktivitäten vielleicht zurückfahren.


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