Was Fußball für Ultras und Hooligans bedeutet

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Immer wieder hört man von neuen Ausschreitungen und gewalttätigen Fans in deutschen Fußballstadien. Das Thema hat in Deutschland seit Jahren eine hohe Aktualität. Was sind die Gründe dafür, dass einige Fans in Stadien zu Gewalt greifen? Wer sind eigentlich diese Leute und was haben sie für ein Umfeld? Wieso wird oftmals illegale Pyrotechnik verwendet und was sind die Konsequenzen?

Aggressionen bei Fußballfans

Oft sind es Hooligans, die innerhalb und außerhalb des Stadions zu Gewalt greifen. Da für Ultras die Unterstützung ihres Vereines im Mittelpunkt steht, distanzieren sie sich meist von Gewalt und Ausschreitungen. Für Hooligans hingegen stehen Fußball und Gewalt im direkten Zusammenhang.

Aggressionen werden im Inneren der Menschen ausgelöst und haben nichts mit der Fankultur gewisser Gruppierungen zutun. Sie können viele Ursachen haben. Wie entstehen Aggressionen bei Fußballfans und wie lassen sie sich erklären?


Viele Fußballfans haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Spannung, vielfältigen Erlebnissen und Abenteuer. Die Ziele liegen darin, anderen gegnerischen Fans überlegen zu sein und im sozialen Umfeld (oft in Ultra-Gruppierungen) anerkannt zu werden. Oft wollen diese Fans auch Regeln brechen und sich von anderen „neutralen Fans“ abgrenzen. Bei der Art der Aggression unterscheidet man zwischen drei Varianten:

  • Die körperliche Aggression: Die Aggression wird mit Hilfe des Körpers verübt. Eine körperliche Aggression ist es aber zum Beispiel auch, wenn man mit einen Bierbecher auf jemand anderes wirft. Bei Fußballfans sind es oft Schlägereien, Schubsereien, Auseinandersetzungen und Rangeleien, die zu dieser Kategorie zählen.
  • Die verbale Aggression: Die zweite Variante ist die verbale Aggression, die in Form von Beschimpfungen, Drohungen und Flüchen angewandt wird. Eine persönliche Herabsetzung des Gegenspielers oder des gegnerischen Fans steht dabei im Vordergrund. Die verbalen Aggressionen werden oftmals mit der symbolischen Aggression unterstützt.
  • Die symbolische Aggression: Diese Variante beruht darauf, anderen mit Hilfe von körperlichen Bewegungen zu drohen. Ganz bestimmte Gesten und Bewegungen dienen dazu, gegnerische Fans zu provozieren. Die bekanntesten Symbole sind das „Herwinken“ oder der „Mittelfinger“.

Bedeutung des Fußballs für den Fan

Der Fußball hat in unserer Gesellschaft einen sehr großen Stellenwert. Fußball ist für viele Fans weit mehr als nur ein Spiel. Die Sportart löst viele Emotionen, Leidenschaft und Gefühle in den Menschen aus. Fußball wird als ein Spiel mit großer sozialer Integrationskraft dargestellt. Es werden verschiedene Kulturen zusammengeführt, Spieler aus der ganzen Welt finden sich in einem Team zusammen, um für ihre Mannschaft zu kämpfen.

Auch bei den Fans treffen verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Umfeldern aufeinander. Ganz egal ob Anwälte, Angestellte oder Bauarbeiter. Für sie alle steht der Fußball im Mittelpunkt ihres Lebens. Alles andere gerät in Vergessenheit, sobald sie das Stadion betreten. Fußball wird von verschiedenen Altersklassen, Geschlechtern, Rassen, Völkern und Religionen als etwas besonderes angesehen. Deshalb sind es nicht nur Personen aus der sozialen Unterschicht, wie klischeehaft behauptet wird, die an Randalen und Ausschreitungen im Stadion teilnehmen.

Unterschied zwischen Ultras und Hooligans

Hooligans werden oftmals mit Ultras auf eine Stufe gestellt, hier muss man aber eine deutliche Unterscheidung treffen. Ultras fallen im Stadion direkt als erstes auf. Der Gesang und vor allem der „Capo“ der Gruppierung sind kaum zu überhören. Der wichtigste Grund warum Ultras ins Stadion gehen ist die Unterstützung des eigenen Vereins. Sie bereiten Choreographien und andere Aktionen vor, um ihr Team pausenlos zu unterstützen. Ihre Gesänge dauern meist das ganze Spiel über an. Rauchbomben und Bengalos werden ebenfalls zur Unterstützung ihrer Mannschaft eingesetzt, auch wenn diese Feuerwerkskörper im Stadion verboten sind.

Auch Fahnen und Doppelhalter sind ein wichtiger Bestandteil der Ultra-Kultur. Zudem tragen sie selbstproduzierte Kleidung und keine Trikots oder andere Fanartikel ihres Vereines. Auch wenn die Unterstützung an erster Stelle steht, sind Mitglieder von Ultra-Gruppierungen immer wieder an Prügeleien und Auseinandersetzungen beteiligt. Harmlose und neutrale Stadionbesucher werden jedoch von ihnen in Ruhe gelassen.

Hooligans hingegen besuchen lediglich wegen Schlägereien und Auseinandersetzungen mit den gegnerischen Fans oder anderen Hools die Stadien. Für sie steht nicht der Fußball im Mittelpunkt, sondern die körperliche Konfrontation mit Gegnern und Polizei. Immer wieder treffen sich Hooligans mit ihren „Feinden“ zu Schlägereien, obwohl überhaupt gar kein Fußballspiel stattfindet.

Rolle der Pyrotechnik

Schon seit den 80er-Jahren verwenden Ultras Pyrotechnik auf den Stadionrängen. Oftmals werden diese Feuerwerkskörper in osteuropäischen Ländern wie Polen und Tschechien hergestellt und dann nach Deutschland geschmuggelt. Ein Bengalo kann gefährliche Temperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius erreichen. Viele Ultra-Gruppierungen sind für die Legalisierung von Pyrotechnik. Es gibt mehrere Kampagnen – unter anderem „Pyrotechnik legalisieren“ und „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ – in denen sie dafür kämpfen.

Die Ultras sind für ein kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Stadien, um diese beim Einlaufen der Mannschaften, bei Toren und bei Choreographien einzusetzen. Pyrotechnik soll eine atemberaubende und lebendige Atmosphäre schaffen. Ultras wollen mithilfe von Pyrotechnik ihre Emotionen ausdrücken, sie wollen die Stimmung zusätzlich unterstützen.

Verbände lehnen Pyrotechnik ab

Der DFB und die DFL lehnen Pyrotechnik jedoch grundsätzlich ab. Sie wollen keine Verantwortung für die dadurch entstehende gesundheitliche Gefahr übernehmen. Immer wieder betonen die Verantwortlichen, dass dieser Punkt nicht verhandelbar sei. Ultra-Gruppierungen suchten jedoch öfters den Kontakt, um einen fairen Kompromiss für beide Seiten zu finden. Trotz eines deutschlandweiten Verbotes werden die illegalen Rauchbomben, Böller und Bengalos mit ins Stadion geschmuggelt. Die Täter können jedoch nur selten geschnappt werden, da sie mit Sturmhauben und Tüchern vermummt sind.

Blick in die Zukunft

Nun fragt man sich: Wie könnte man Ausschreitungen in Stadien verhindern und das Problem mit gewaltbereiten Hooligans lösen? Es ergibt sich für aggressive und gewaltbereite Fußballfans immer eine Möglichkeit, ihre Triebe zu befriedigen und Emotionen freien Lauf zulassen. Trotz vieler Maßnahmen von DFB und Polizei ist es bislang nicht gelungen, die Fan-Gewalt in den Griff zu bekommen. Aggressionen und Gewalt werden auch in Zukunft kaum zu verhindern sein, da an jedem Spieltag mehrere zehntausend Zuschauer in die Stadien strömen.

Für Polizei und Vereine ist es daher nicht möglich, genauere und intensivere Kontrollen durchzuführen und die Täter festzunehmen. Die Fan-Kultur der Ultras sollte mehr Anerkennung finden, da für sie die Unterstützung ihres Vereines im Vordergrund steht. Zwischen Ultras und DFB sollten sachliche Gespräche geführt werden, um über gewisse Themen zu verhandeln. Eines ist jedoch besonders wichtig: Ultras dürfen nicht mit gewaltbereiten Hooligans auf eine Stufe gestellt werden.


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