Aus einem Land vor unserer Zeit

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Pierre-Michel Lasogga ist in aller Munde – spätestens nachdem er in der Saison 2013/14 den HSV vor dem Abschied rettete. Lasogga startete auch diese Saison mit seinem HSV furios, war in den ersten vier Spielen an ebenso vielen Toren beteiligt. Inside 11 hat sich die Gründe für den Erfolg des Hamburgers mal näher angesehen.

Eine längst ausgestorbene Spezies

In Gladbeck geboren, für die U-Mannschaften von Schalke, Essen, Wolfsburg und Leverkusen gespielt, bei Hertha sein Profi-Debüt gegeben und nun seit einiger Zeit im hohen Norden. Pierre-Michel Lasogga hat mit seinen 23 Jahren schon eine handvoll Stationen hinter sich, der HSV sollte jedoch alles daran setzten, dass sich die Reiselust des 1,89 Metergroßen Stürmers noch eine Weile in Grenzen hält. Schließlich ist Lasogga momentan die Lebensversicherung des Dinos von der Elbe.

Die Geschichte vom seit Ewigkeiten kriselnden Traditionsklub ist momentan eng mit der des Gladbecker Modelathleten verbunden. Was kein Zufall ist, so gibt es doch eine große Parallele zwischen beiden Parteien. So wie die große Zeit des HSV seit Jahren vorbei ist, so sind auch Stürmer der Marke Lasogga ausgestorben.


Der moderne Fußball ist geprägt von kleinen, wendigen Offensivspielern, die den Gegnern gordische Knoten in die Beine spielen und im Sprint regelmäßig 100 Meter – Weltrekorde zu pulverisieren scheinen. Die „Falsche Neun“, das Spielen ohne einen traditionellen Stoßstürmer, ist vom nie da gewesenen taktischen Kniff zur ernstzunehmenden Alternative für jeden Trainer geworden, ob Champions League oder Oberliga.

Ein Traktor unter Sportcoupés

Dass Pierre-Michel Lasogga in diesen Zeiten auffällt, ist nur logisch, schaut man sich die Spielweise des 23-Jährigen einmal an. Wirken Pierre-Emerick Aubameyang oder Bayerns neuer Offensivstar Douglas Costa wie Sportcoupes, wäre Lasogga in dieser Gleichung eher der Traktor. Die Mentalität eines Ivica Olic trifft auf den Körper eines Jerome Boateng.

Lasogga ist einer der Fußball arbeitet – und zwar extrem erfolgreich. Bei all seinen Stationen zeigte sich relativ schnell, dass Lasogga ein fantastischer Spieler ist, sobald sich die Mannschaft auf seinen Spielstil einstellt. Dies dürfte im Umkehrschluss bedeuten, dass sich seine Einsätze für die Nationalmannschaft in Grenzen halten werden, da hier selbst ein Mario Gomez nicht mehr zum Zug kommt, obwohl dieser über eine noch deutlich stärkere Technik als Lasogga verfügt.

Dennoch passt er nur schwer in den modernen Fußball, da dieser nur noch in Ausnahmefällen Stürmer toleriert, die nicht in der Lage sind zu kombinieren.

Lufthoheit und Konstanz

Lasoggas Vorzüge sind hingegen ganz andere. Grandioses Stellungsspiel und ein sehr guter Abschluss, vor allen Dingen per Kopf, sind die größten Stärken der Hamburger Nummer 10. Zu begutachten auch im Bundesliga-Spiel gegen Gladbach, in dem Lasogga gegen Jantschke und Hahn gleichzeitig ins Kopfballduell geht – und gewinnt.

Sucht man in den Spitzenmannschaften der Bundesliga nach so einem Spieler wird man am ehesten noch beim VfL Wolfsburg fündig, in Person von Bas Dost. Allerdings verfügt der aktuell vielleicht beste deutsche Stürmer auch über eine Fähigkeit, die im modernen Fußball sehr gefragt ist: Konstanz.

Er bringt in den letzten Jahren immer gute Leistungen, angefangen bei seinem Durchbruchsjahr in der U19 von Bayer 04 Leverkusen, wo er in der A-Junioren Bundesliga in 25 Einsätzen sagenhafte 25 Tore schoss. Und dann bei seinen ersten Profi-Stationen in Hamburg und Berlin, wo er lediglich im letzten Jahr beim HSV (vier Tore) etwas schwächelte.

Bald in der Premier League?

Nicht nur die Tatsache, dass er diesen Wert am 4. Spieltag fast eingestellt hat, zeigt wie wichtig Lasogga in diesem Jahr für den HSV noch werden könnte. Vielleicht wechselt er im Anschluss an diese Saison ja doch noch auf die Insel. Im Sommer sollen mehrere Vereine interessiert gewesen sein und auch nach dem tollen Start des Stürmers ist zu hören, dass es Newcastle im Winter noch einmal probieren wird.

Lasogga würde hervorragend nach England passen, daher wäre dieser Wechsel keine Überraschung. Eventuell bleibt Lasogga aber auch etwas länger in Hamburg, und dann kann es passieren, dass die antiken und etwas angestaubten Ausstellungsstücke Lasogga und Hamburger Sportverein sich gegenseitig zu neuem Leben verhelfen.


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