Erfahrungsbericht: Wie gut ist DAZN wirklich?

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Streaming gehört mittlerweile zum Alltag: Auf dem Weg zur Arbeit streamt man Musik über Spotify und abends legt man gemütlich die Beine hoch und streamt seine Lieblingsserie über Netflix. Aber auch im Bereich Sport ist Streaming schon gang und gäbe: Viele Sportfans nutzen halblegale Dienste im Internet. DAZN möchte Sportstreams aus der Illegalität holen. Doch wie gut ist DAZN wirklich? Ein Test und Erfahrungsbericht.

Eine Sache vorneweg: Da Inside 11 ein Fußball-Magazin ist, werde ich mich nur mit dem Fußball-Angebot von DAZN befassen. Zu den anderen Sportarten sei aber gesagt: Freunde des Sportfischens werden ebenso auf ihre Kosten kommen wie Handballfans.

Neuer Anbieter für Sport-Streams

Zunächst ein paar Worte zu DAZN selbst. DAZN ist mitnichten ein windiges Start-Up aus Berlin-Mitte. DAZN ist ein Tochterunternehmen der „Perform Group“, ein global agierender Konzern, der sich in diversen Sportarten im Bereich der Vermarktung beteiligt.


Die durchdesignte Webseite der Perform Group könnte gut und gerne ein Lehrbeispiel für Marketing-Studenten sein: Schöne Bilder. Schlagwörter. Kein Inhalt, schön verpackt.

Grund genug, sich DAZN skeptisch zu nähern. Schließlich ist es erklärtes Ziel der Perform Group, so viel wie möglich mit Sport zu verdienen. Und das kann dem Sport mitunter auch schaden. Aktuellstes Beispiel ist der überhitzte Transfermarkt in England und anderswo.

Großes Fußball-Angebot

Zugpferd des Angebots von DAZN ist natürlich die Premier League: DAZN luchste Sky die Rechte dafür ab und sorgte damit für ein Problem beim Pay-TV-Sender. Denn so hat Sky einen Grund weniger, seine fragwürdige Unterteilung von Fußball in ein Bundesliga- und ein Sport-Paket zu rechtfertigen.

DAZN darf 60 Prozent der Spiele live zeigen. Ist man auch an kleineren Premier-League-Vereinen interessiert, schaut man des öfteren in die Röhre. Die großen Platzhirsche aus Manchester und London dürften jedoch so gut wie immer live verfügbar sein.

In der Premier League wird sehr guter Fußball gespielt, so wird sich wohl immer ein spannendes Spiel finden. Auch wenn man mal nicht „seinen“ Verein live sehen kann. Wer jedoch starr auf einen Verein fixiert ist, muss wohl weiterhin eigene Wege zum Schauen suchen.

Neben der englischen zeigt der neue Anbieter noch die spanische, italienische und französische Liga. Diese Ligen sind qualitativ eher unter der Premier League anzusiedeln und es sind nur wenige spannende Highlight-Spiele dabei.

Mir als objektivem Sportfan macht es wenig Spaß, Wochenende für Wochenende Barcelona, Real oder PSG dabei zuzusehen, wie sie irgendeine Mannschaft ungespitzt in den Boden rammen. Dies mag für manche seinen Reiz haben – es gibt ja genügend Barca- oder Real-Fans in Deutschland – für den neutralen Zuschauer sind diese Ligen jedoch nicht der ganz große Wurf.


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Lohnen sich die 10 Euro im Monat?

Ein großer Teil des Angebots von DAZN sind kleinere Ligen, wie die kroatische oder serbische Liga beispielsweise. Auf den ersten Blick sehen diese Ligen aus wie Füllmaterial, um das Portfolio aufzustocken (was sicherlich auch ein Grund für DAZN ist, sie anzubieten).

Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch die gute Idee hinter diesem Angebot. DAZN hat hier eine besondere Zielgruppe im Auge. In Deutschland haben 20 Prozent aller Menschen einen Migrationshintergrund – das sind 16 Millionen Menschen.

Viele haben noch Verbindungen in ihre Heimatländer – klassisch durch Verwandte oder den jährlichen Urlaub, den man in der alten Heimat verbringt. Oder aber der Fußball dient als Verbindung zum Heimatland. Paradebeispiel ist der Opa, der als Gastarbeiter kam, als Junge in der Kurve des Vereins XY stand und nun diese Liebe an seine Nachkommen weitergibt.

DAZN möchte diese Zielgruppe mit dem Angebot von Live-Spielen aus der Heimat ködern. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass sich DAZN schnellstmöglich die Rechte an der türkischen Liga sichern wird. In Anbetracht der Qualität der Süper Lig ein Grund zur Freude für Abonnenten.

Für 10 Euro lohnt sich der Inhalt von DAZN nur bedingt. Besonders bei der Premier League muss man flexibel sein. Ist man jedoch Fan einer Mannschaft aus Italien oder Spanien, so kann man durchaus zugreifen.

Ansprechendes Design

Werden wir mal ästhetisch. DAZN sieht nicht schlecht aus. Wer die Webseite der Perform Group gesehen hat, den wundert das nicht. Es mangelt aber leider an der Übersichtlichkeit. DAZN möchte mit der Fülle an Ligen prahlen, auf Kosten der Übersicht.

So werden immer noch Ligen aufgeführt, die zuletzt Ende August live gezeigt wurden. Hier sollte gelten: Weniger ist mehr. Die Bedienung an sich ist intuitiv und in Ordnung. Wer für 10 Euro eine schicke Benutzerplattform erwartet, kommt auf seine Kosten.

Technische Probleme

Schaut man auf die Facebook-Seite von DAZN, dann wimmelt es nur so vor Ausrufezeichen, Frust und Entäuschung in den Kommentaren. Besonders das Manchester-Derby scheint viele potentielle Kunden abgeschreckt zu haben.

Immer wieder wird über technische Probleme bei Spitzenspielen mit vielen Zuschauern geklagt. Ein Problem des Streamings, das man beim linearen Konsum von Fußball – beispielsweise via Sky – nicht hat.

Die Technik ist die Achillesferse von DAZN. Hier muss sich der Dienst gehörig verbessern. Für 10 Euro erwartet man zurecht eine konstant gute Qualität. Ich bin optimistisch, dass dies passieren wird.

Man kann es aber keinem verdenken, sein Abonnement in Frage zu stellen, wenn man gegen Bezahlung nur eine geringfügig stabilere und bessere Qualität als bei einem illegalen Anbieter von Sportstreams bekommt.

Bei Spielen mit weniger Zuschauern ist die Qualität jedoch zufriedenstellend und weitgehend störungsfrei. Für 10 Euro muss sich DAZN aber bessern, wenn es um Streamingqualität geht.


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Gute Kommentatoren & Experten

Hier sorgt DAZN eindeutig für Abwechslung. Während im Fernsehen weitgehend nur eine Person kommentiert, begleiten bei DAZN meist zwei Personen das Spiel: Ein Journalist als Kommentator und ein ehemaliger Profi als Experte. Die Kommentatoren sind allesamt fähige Berichterstatter.

Besonders ins Auge gefallen sind mir Uli Hebel und Alex Schlüter. Beide sind Vollblut-Sportjournalisten, die in unserem Metier sehr innovativ tätig sind, und führen unter anderem sehr lohnenswerte Podcasts. Hebel beschäftigt sich in seinem Podcast „Klick and Rush“ vorallem mit dem englischen Fußball, während Schlüter bei „90+2“ den Sport eher allgemeiner betrachtet.

Es tut gut mal andere Kommentatoren als Steffen Simon und Bela Rethy zu hören, besonders das Zusammenspiel mit den Experten bringt Würze in die Berichterstattung. Diese sind keine ehemaligen Top-Profis, sondern kommen eher aus der zweiten Reihe. Dennoch sind sie passgenau ausgewählt. Wer sollte beispielsweise besser über den englischen Fußball Bescheid wissen, als „unser Mann in London“ Moritz Volz.

Experten und Kommentatoren wissen mit Fachkompetenz und Anekdoten zu überzeugen. Sie beurteilen taktische Angelegenheiten interessant und aufschlussreich und geben Einblick in die Fußballkultur eines Vereins oder eines Landes. Die Berichterstattung von DAZN lässt nichts zu wünschen übrig.

DAZN bietet ein gutes Angebot für Fußballfreaks

DAZN hat ein breit gefächertes Angebot, bei dem für jeden Fußballfan etwas dabei ist. Zehn Euro im Monat ist jedoch ein wenig zu viel, wenn man als Fan sehr auf seinen Verein fokussiert ist. Für Leute die ein breiteres Interesse am Fußball haben, ist DAZN aber durchaus zu empfehlen. Zu beachten ist, dass die Bundesliga (noch) nicht zu sehen ist – hierfür muss man weiterhin zum Beispiel auf Live-Streams ausweichen. Und sollten die technischen Fehler nicht binnen weniger Wochen behoben sein, sehe ich für DAZN leider tiefschwarz.


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14 Gedanken zu “Erfahrungsbericht: Wie gut ist DAZN wirklich?”

  1. Gibt’s den Herrn Hell wirklich? Der Artikel könnte auch aus der Marketingabteilung von DAZN kommen. Die App für Samsung TVs ist weiterhin nicht in Sicht. Als ich es noch geschaut habe, habe ich immer den Ton weggedrückt, weil der Experte meist nicht zu ertragen war. Ich will, dass Laola1 wieder die Rechte zurückbekommt.

      • Bis heute gibt es keine Chrome Cast Unterstützung!
        Vom Support kommt dann nur die Antwort kaufen Sie sich doch einen FireTV Stick, dieser wird unterstützt. Bitte? Ich kaufe mir doch nicht nur für DAZN einen räudigen FireTV Stick, wenn ich schon einen Stick habe der von 99% aller anderen Anbieter unterstützt wird.
        Aber sehr wahrscheinlich hat man von Amazon viel Kohle bekommen wenn man den Chorme Cast nicht unterstützt damit sich die Leute den FireTV Stick bei Amazon kaufen.

    • Sehr geehrter Herr Meier

      Zunächst: Vielen Dank für ihr Interesse an meinem Artikel!

      Selbstverständlich gibt es mich wirklich. Ich habe rein gar nichts mit der Marketingabteilung von DAZN zu tun. Wäre der Text aus der Marketingabteilung von DAZN hätte er wohl nicht mit einem sehr pessimistischen Blick auf die Zukunft von DAZN geendet.

      Ich habe DAZN auf dem Laptop und dem „Amazon Fire TV Stick“ getestet. Ich war mit der Qualität durchgängig zufrieden. Ich schätze DAZN wird nach und nach Applikationen für alle gängigen Geräte veröffentlichen. Falls sie genaueres erfahren wollen, kann ich ihnen den DAZN Kundenservice empfehlen. Ich hatte mit diesem im Zuge meiner Recherche Kontakt und meine Fragen wurden kompetent und ausführlich beantwortet.

      Experten und Kommentatoren sind immer Geschmackssache. Freilich lässt es sich hier vortrefflich streiten, ein Ergebnis wird ein solcher Diskurs jedoch nie haben.

      Mit freundlichen Grüßen (aus der Realität)

      Philip Hell

  2. DAZN muss die technischen Probleme schnellstens in den Griff bekommen sonst wirds problematisch. Seit 2 Tagen bleibt der Stream bei mir wieder dunkel. Also kein Tennis mehr aus Peking wie zu Anfang der Woche. Ich hoffe, das ich nächste Woche wieder englischen Fussball sehen kann, sonst kündige ich mein ABO

  3. Dazn.com ist so gesehen schon gut aber der kuindenservice ist grottenschlecht!
    Verlangen immerwieder Kontodaten… haben bereits 3 verschiedenen angegeben… und beendet immer wieder die Mitgliedschaft, keine telefonnumer alle snur über email immer andere bearbeiter!

    Kundenservice ist etwas anderes!

  4. Habe das DAZN-Abenteuer kurz vor Ende der Probemitgliedschaft beendet.

    Ausschlaggebend war eine fehlende App für mein gerade mal 3 Jahre alten UE46F6500 und dass keine Videos und Live-Streams auf Tablets mit Android 4.4.2 zu sehen sind.

    Und dass entgegen der Behauptung als Mindestanforderung „Android ab 4.4“.

    Werde doch nicht für einen poppeligen Sportsender nicht losgehen und hunderte Euro für neue Hardware ausgeben.

  5. „Und sollten die technischen Fehler nicht binnen weniger Wochen behoben sein, sehe ich für DAZN leider tiefschwarz.“

    Und? Behoben: Ja oder Nein? Funktioniert das jetzt oder haben die nur die Kohle eingesteckt und ansonsten alles so belassen?

  6. Für die ganzen „technischen Probleme“ muss man halt momentan auch nur 10 Euronen löhnen. Oder glaubt Ihr wirlich dass Ihr für nen Zehner/Monat europäischen Spitzenfußball + US-Sport live in Topqualität bekommt? Sobald DAZN seine Service und die Technik ausgebaut hat, wird sich das dann auch im Preis spiegeln. Tippe mal auf 30-40€ per Monat. Momentan möchte man sich mit aus Marketinggründen halt nen schönen Kundenstamm aufbauen…was DAZN, wie von Phillip beschrieben, auch gut umsetzt.

    Finde die Idee wirklich gut, aber die Preise werden bei weiterer erfolgreicher Umsetzung bald steigen…Endlich geht es SKY bald richtig an den Kragen…

  7. Die englische Liga ist die beste und die spanische geht so? Ich lach mich schlapp.Ich glaube die Qualität einer Liga misst sich im Europawettbewerb.Und da ist glaube ich Spanien und danach kommt lange lange nichts.Die Engländer kommen glaube ich an vier oder so.

  8. Wenn ich die Meinungen hier lese, muss ich sagen, dass ich bei Sky nicht schlecht aufgehoben bin,
    obwohl seit dem 1.7.17 kein US-Sport mehr gesendet wird. Die Qualitätsprobleme sind für mich
    Grund, DAZN im Moment nicht zu abonieren Wegen der NBA und NHL habe ich schon mit
    dem Gedanken „DAZN“ gespielt .

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