Die Geschichte von Real Oviedo

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Was haben Juan Mata und Santi Cazorla gemeinsam? Beide sind Spanier, beide spielen in der Premier League auf hohem Niveau, beide sind Mittelfeldspieler. Doch was ist da noch? Beide Spieler waren in der Jugend beim gleichen Verein aktiv. Beide wurden von Real Oviedo entdeckt und ausgebildet. Auf den Tabellen der spanischen Primera und Segunda Division ist dieser Name aber nicht aufgeführt, denn der Verein spielt in der dritten spanischen Liga und hat eine rührende Entwicklung durchlebt.

Die Gründung und ein Auf und Ab

1926 wurde der damalige FC Oviedo aus zwei anderen Vereinen aus Oviedo gegründet. Ein Jahr später wurde der Beiname zu Real geändert. Oviedo wurde im neuen spanischen Ligasystem in die 2. Liga eingeteilt. Im Jahr 1933 stieg der Verein in die 1. Liga auf. Die Offensive war in der Liga gefürchtet, so schoss Real Oviedo in der ersten Saison die meisten Tore, kassierte jedoch auch die meisten. In der Saison 1935/36 spielte man zum ersten Mal um die Meisterschaft, wurde am Ende jedoch Dritter. In der folgenden Saison brach der Spanische Bürgerkrieg aus und das Stadion wurde beinahe komplett zerstört. Zudem wurden viele Spieler des Vereins im Krieg getötet.

Der Verband erlaubte daraufhin dem Verein, die nächste Saison ohne Zwangsabstieg auszusetzen. So wurden neue Spieler geholt und das Stadion komplett neu aufgebaut. Man etablierte sich wieder in der 1. Liga und erreichte meist einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. In der Saison 1948/49 wurde der Verein Fünfter. In der nächsten Saison landete man jedoch überraschend auf dem letzten Platz und musste somit in die Relegationsrunde. Durch eine Niederlage wurde der Abstieg damit Tatsache.


Real Oviedo betritt die europäische Bühne

In den nächsten Jahren schaffte es die Mannschaft immer wieder, in die 1. Liga aufzusteigen und sich dort zu etablieren. Meist stieg der Verein jedoch überraschend wieder ab. Von 1976 bis 1988 spielte der Verein wieder zweitklassig, bevor die Rückkehr in die 1. Liga gelang. Auch hier etablierte Real Oviedo sich erneut, qualifizierte sich 1991 sogar für den UEFA-Pokal. Erst 2001 musste man nach einigen Jahren in der Tabellenmitte und einigen eher schlechten Leistungen wieder den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Der Verein war unterdessen bekannt geworden durch seine gute Jugendarbeit. Juan Mata wechselte 2003 von der eigenen Jugend in das 3. Team von Real Madrid. Santi Cazorla zog es bereits ein Jahr davor zum FC Villareal. In der 2. Liga war man zunächst sehr dominant, bevor viele Spieler zu erstklassigen Vereinen wechselten. Dazu lösten viele Sponsoren die Verträge auf. Real Oviedo landete auch hier wieder auf einem Abstiegsplatz, musste jedoch wegen Schulden und ausstehenden Gehältern sogar in die 4. spanische Liga absteigen. Erst 2010 gelang der knappe Aufstieg, nachdem sich das Team völlig neu formieren musste.

Fans verhindern Insolvenz

Die finanziellen Probleme zogen sich bis zur Saison 2012/13. Der Fußballverband gab dem Verein bis November 2012 Zeit, um alle Schulden abzubezahlen. Etwa zwei Millionen Euro fehlten Real. Daraufhin starteten die Oviedo-Verantwortlichen einen Aufruf. Fans sollten Aktien des Vereins kaufen und somit Miteigentümer werden. Für rund 10 Euro konnte eine Aktie erworben werden. Die Aktion verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Fußballfans auf der ganzen Welt kauften Aktien, ob sie nun Verbindungen zum Verein hatten oder nicht. Auch die ehemaligen Spieler Juan Mata, Santi Cazorla und Michu forderten die Fans dazu auf, den Verein zu unterstützen. Real Madrid erwarb Aktien im Wert von 100.000 Euro.

Es ist dieses alte Wertedenken im Fußball. Warum sollten wir dem Verein nicht helfen, sich zu erholen, und ihn gleichzeitig vor großen Investoren schützen? – Juan Ramon, Vorsitzender der Oviedo-Supporter

Es war der letzte Tag der Frist, als Carlos Slim – seines Zeichens reichster Mann der Welt – Aktien im Wert von 2,5 Millionen Euro erwarb und so das Bestehen des Vereins sicherte. Der Verein verkauft heutzutage für die 3. Liga unüblich viele Saisonkarten, der Fall von Oviedo hat hohe Wellen geschlagen. Ein Grund für den Erfolg der Aktion ist laut Juan Ramon, dass die Fans den Fußball zurück an die Basis holen wollen: „Es soll ein Zeichen der Hoffnung sein für Menschen, die den modernen Fußball hassen. Da hat sich eine spezielle Kraft entwickelt.“


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