Spanien – das Ende einer Ära

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Gerade ist die EM gestartet und die ersten Gruppenspiele sind bereits gelaufen. Höchste Zeit die Kader der Teilnehmer genauer unter die Lupe zu nehmen. Inside 11 schaut sich die Top-Teams einmal an. Heute werfen wir eine Blick auf die spanische Nationalmannschaft.

Sie waren mal die unangefochtene Nummer 1 im internationalen Fußball. Die Iberer prägten eine Ära. Von 2008 bis 2012 holten sie alles, was es zu holen gab. Fast unbezwingbar schienen sie. Doch die WM 2014 setzte der spanischen Ära ein jähes Ende. Sinnbildlich für das Abschneiden der Spanier 2014 ist der legendäre Flugkopfball von Robin van Persie. Ein Deja-Vu in dieser Hinsicht ist jedoch ausgeschlossen, da die Holländer nicht in Frankreich antreten dürfen. Doch wie weit können es die Spanier dieses Jahr schaffen? Ist die Titelverteidigung drin?

De Gea vor Casillas?

Im Tor der Spanier dürfte alles auf einen Kampf zweier Top-Keeper hinauslaufen. David De Gea von Manchester United und Iker Cassilas vom FC Porto. De Gea kassiert im Durchschnitt 0.05 Tore weniger pro Spiel als Iker Cassilas. Kein wirklich zwingendes Argument um ihn San Iker zu verdrängen.


Mit 166 Spielen im Nationaltrikot hat Iker Casilas eindeutig mehr Erfahrung als sein Mitstreiter. Die Ruhe, die aus dieser Erfahrung resultiert, wird wohl das auschlagebende Argument im Zweikampf der beiden sein. De Gea wird 2018 und 2020 seine Klasse beweisen können. Falls er den Zweikampf der Zukunft mit Sergio Rico vom FC Sevilla gewinnen kann.

Weltklasse in der Defensive

Bei den drei Titeln 2008, 2010 und 2012 kassierten die Spanier nur sechs Gegentore. Allesamt in der Gruppenphase. Auch wenn die spanische Offensive deutlich mehr im Fokus stand, auch die Defensive war Weltklasse. Und das ist sie immer noch. Mit Pique und Ramos hat man zwei Weltklasse Innenverteidiger im Kader. Diese zwei werden jedem Gegner einiges entgegenzusetzen haben.

Aber auch über die Außen geht einiges bei den Spaniern. Auch hier Weltklasse. Auch hier der FC Barcelona. Jordi Alba, der Stamm Linksverteidiger der Katalanen wird auch bei der EM zur Stammformation der Spanier zählen. Der 27-Jährige spielte für die Katalanen eine herausragende Saison.

Die rechte Abwehrseite stellt eine kleinere Schwäche der Spanier dar. Cesar Aplicueta durfte beim FC Chelsea häufig nicht auf rechts spielen. Er war auch an deutlich weniger Toren als sein Pendant auf der linken Seite beteiligt.

Problemzone offensives Mittelfeld

Im Mittelfeld der Iberer gibt ein Mann den Takt an. Sergio Busquets. Der Katalane ist der Mann für die Lösungen – wie er es selbst in „El Pais“ ausdrückte. Als Sechser ist er die Schnittstelle der Spanier. 90 Prozent seiner Pässe fanden diese Saison den eigenen Mann. Ein Top-Wert. Diese Sichherheit im Passspiel macht ihn zu einer nicht zu ersetzenden Größe in der Nationalelf. Er kann mit seiner Übersicht einen Angriff maßgeblich einleiten.

Vor Busquets werden zwei Zentrale Mittelfeldspieler agieren. Diese Positionen sind eine weitere Baustelle im Team der Spanier. Del Bosque hat hier vier Topnamen nominiert. Cesc Fabregas ist der teuerste von ihnen. Der passsichere Spanier hatte schon deutlich bessere Saisons und dürfte somit nicht gesetzt sein. Mit dem Problem einer schwachen Spielzeit muss sich der Katalane jedoch nicht allein herumplagen.

Seine zwei Konkurrenten im zentralen Mittelfeld befinden sich ebenfalls näher an einem Karrieretiefpunkt als an einem Hochpunkt. Andres Iniesta, lange ein Gesicht der spanischen Dominanz und Siegtorschütze im WM-Finale 2010, geht langsam aber sicher auf sein Karriereende zu. Diese EM könnte durchaus sein letztes Turnier sein. Es stellt sich nun die Frage ob dies ein Vor- oder ein Nachteil ist. Diese Frage wird uns nur Iniesta selbst beantworten können.

Konkurrenz sollte ja eigentlich das Geschäft beleben. Besonders junge Mitspieler sollten die Platzhirschen fordern. Dies gelingt im zentralen Mittelfeld der Spanier nur bedingt. Thiago, der Spanier im bayerischen Exil, geht gerade durch ein wahres Karrieretief. Vermutlich ist es sein letztes Jahr in München gewesen. Für ihn wäre die EM wichtig, um sich potentiellen Käufern zu präsentieren. Ach Quatsch. Manchester City wird’s wohl werden.

Wer übernimmt die Rolle des offensiven Mittelfeldspielers? Diese Frage dürfte Vincente del Bosque Kopfzerbrechen bereiten. David Silva oder Isco? Del Bosque machte es sich ganz einfach und ließ Isco einfach daheim. Ein Risiko, dass er nun zu vertreten hat.

Neue Gesichter im Sturm

Spanien hat zwei echte Mittelstürmer im Kader. Aritz Aduriz und Alvaro Morata. Auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf. Ein Jungspund gegen einen alten Haudegen. Klarer Vorteil für Morata – sollte man meinen. In Wahrheit ist das Ganze doch ein bisschen komplizierter. Nein halt. Eigentlich muss man sich nur eine Frage stellen. Was ist die Hauptaufgabe eines Mittelstürmers? Er muss Tore schießen. Und zwar wie am Fließband wenn möglich. Hier hat Aduriz einfach die Nase vorn. Es sollte nicht überraschen, wenn diese EM die große Show des Aritz Aduriz wird. Sie käme zwar spät. Aber besser spät als nie.

Neben dem Mittelstürmer werden zwei Außen agieren. Namentlich Nolito und Lucas Vasquez. Sie beiden hören sich nach blutjungen Spielern von Barcelona an, sind es aber nicht. Nolito ist fast 30 und Vasquez fast 25.

Nolito ist ein dribblestarker Linksaußen, der bei Celta Vigo an hohes Pressing gewohnt ist. Vasquez hat soeben sein erstes Länderspiel bestritten. Auch bei Real Madrid ist er kein Stammspieler. Er ist ein großes Fragezeichen.

Zeit für einen Generationenwechsel

Die spanische Mannschaft ist eine Wundertüte. Der Titel ist ihr wohl nicht zuzutrauen. Del Bosque hat sich in Sachen Nominierung schlicht und einfach vertan. Wer Spieler wie Saul, Isco, Roberto, Juan Mata oder Costa daheim lässt, spielt mit dem Feuer! Es wird Zeit für einen Generationenwechsel.


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