Warum Play-Offs in der Bundesliga keine gute Idee sind

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Der ehemalige Leverkusener Funktionär Wolfgang Holzhäuser ist der prominenteste Befürworter von Play-Offs in der Bundesliga. Er träumt von zwei Halbfinals, besetzt mit den vier besten Mannschaften der Saison. Auch wenn diese Idee immer mehr Fürsprecher findet – unter anderem Thomas Tuchel – ist sie immer noch unsinnig. Denn Play-Offs bringen mehr Nach- als Vorteile mit sich.

Wikipedia definiert den Ermüdungsbruch als Fraktur die durch „ständige zyklische Belastung“ entsteht. Diese Definition deckt sich mit den beruflichen Anforderungen eines Profifußballspielers.

Jedes zusätzliche Spiel erhöht die Gefahr eines Ermüdungsbruchs, der eine längere Pause nach sich zieht. Besonders am Ende einer Saison mit großen Belastungen ist die Gefahr eines Ermüdungsbruchs exorbitant höher als zu Beginn einer Saison.


Nicht jedes zusätzlich absolviertes Spiel ist gleich. Vor allem Spiele, in denen es um viel geht, zeichnen sich durch hohe Intensität aus. Besonders Top-Spieler der Offensive leiden unter diesen intensiven Spielen.

Sollten solche Spieler aufgrund von Verletzungen in Play-Offs ausfallen, ist dies nicht nur ein herber Verlust für den Verein sondern auch für das Land des Akteurs – da in jedem zweiten Sommer im Anschluss an die reguläre Saison ein Turnier gespielt wird.

Spannungsgeschwängerte Grottenkicks

Es ist wohl der große Trugschluss der Zeit, in der sich der Fußball nicht mehr Qualität sondern Profit als oberstes Ziel gesetzt hat. Selbstverständlich hat Holzhäuser Recht, wenn er sagt, dass Play-Offs Erlöse generieren.

Doch die Qualität solcher Alles-oder-Nichts-Spiele lässt viel zu häufig zu wünschen übrig. Jüngstes Beispiel: Die Relegation zwischen Frankfurt und Nürnberg. Zitterfußball vor Millionenpublikum.

Überhaupt ist die Relegation ein Fanal des spannungsgeschwängerten Grottenkicks. Ballet der Massen? Mitnichten. Durch die Play-Offs würde der deutsche Meister nur durch solche Spiele ermittelt. Das ist eines deutschen Meisters nicht würdig.

Die logischen Folgen einer Play-Off-Regelung

Was würden eigentlich die anderen Vereine von Platz 4 bis 18 zum Konzept Play-Off sagen? Sie fänden es wohl ungerecht. Warum sollte der viertbeste Verein der regulären Saison noch die Möglichkeit haben, sich einen finanziell besser ausgestatteten Tabellenplatz zu erspielen?

Will man Gleichberechtigung und das Play-Off System, so ist die logische Folge, dass man alle Plätze per Play-Off ausspielt. Das wäre durchaus simpel. Man strukturiert die Bundesliga zu einer 16-Vereine-Liga um. Die oberen acht Vereine spielen den Meister aus, die unteren acht die Absteiger.

Das System „Play-Off“ verbietet sich von selbst

Deutscher Meister wird diejenige Mannschaft, die auf dem höchsten Niveau, am konstantesten und am besten Fußball gespielt hat. Eine simple Definition, die jedoch den Gedanken an die Einführung eines Play-Off-Systems im Keim erstickt.

Meister einer Liga mit Play-Off-System wird derjenige, der unter den vier konstantesten Teams der mit den stärksten Nerven ist. Das ist zwar durchaus eine Leistung, jedoch nicht die Topleistung, die man von einem deutschen Meister erwarten darf.

Es bedarf anderer Lösungen

Freilich schmälert es die Attraktivität der Bundesliga um ein Vielfaches, wenn die Meisterschaft jedes Jahr Mitte Dezember de facto schon entschieden ist. Die Auswirkungen auf die bisher stets steigenden Besucherzahlen wären unberechenbar – schließlich werden Saison für Saison mehr Tickets verkauft als im Vorjahr.

Die Dominanz des FC Bayern ist ein eklatanter Missstand, der zum Wohle der Bundesliga und ihrer Vermarktung angepackt werden muss. Es geht jedoch nicht darum, den FC Bayern zu schwächen, es geht darum, die anderen Vereine zu stärken.

Vorschläge wie der von Wolfgang Holzhäuser tragen dazu bei, sich tatsächlich mit Reformen der Bundesliga zu befassen. Es bedarf jedoch anderer Lösungen. Den deutschen Meister im Play-Off-Modus auszuspielen, macht keinen Sinn.


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1 Gedanke zu “Warum Play-Offs in der Bundesliga keine gute Idee sind”

  1. Absolut richtig, was hier geschrieben ist! Wenn man Play-Offs austragen lässt, dann wird der Zufall viel mehr gewichtet, was zu einer größeren Verzerrung des Endresultats führt. Herr Holzhäuser ist als Leverkusener sicherlich frustriert über den Zustand, dass sein Club bisher noch keine Meisterschaft gewonnen hat. Sein persönliches Mangelempfinden rechtfertigt jedoch in keiner Weise, dass diejenige Mannschaft, welche nach 34 Spieltagen (völlig zurecht!) an erster Stelle steht, innerhalb eines oder zwei Spielen, seine über die ganze Saison hart erkämpfte Platzierung aufs Spiel setzen soll. Für eine zusätzliche Spannung gibt es immer noch den jeweiligen nationalen Pokal (hierzulande DFB-Pokal), in dem aufgrund des K.o.-Modus der Zufall mehr gewichtet ist, was man daran erkennen kann, das der FC Bayern zwar Rekordhalter ist, jedoch nicht mit so vielen Siegen, wie in der Meisterschaft. Und mal im Ernst: Auch wenn es vielen nicht passt, ist der FC Bayern nun einmal zurecht der erfolgreichste deutsche Fußballverein, welcher außerdem schuldenfrei ist und seinen Erfolg seit Beginn der 1960er Jahr bis Mitte der 1970er Jahre, als sie erstmals den Europapokal der Landesmeister gewannen, kontinuierlich mit Eigengewächsen und gezielten Talenteinkäufen verfolgt hat, siehe Großteil der 1974er Weltmeister-Mannschaft. Also was soll das Gerede von fehlender Spannung im deutschen Fußball? Dann muss Herr Holzhäuser sich eben als cleverer Geschäftsmann ein besseres Modell ausdenken, mit dem er gezielt junge Talente scouten lässt, welche sich bei Leverkusen entwickeln und gehalten werden können, so er besser als FC Bayern wird. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Bayer Leverkusen Fußball-Talente entwickelt, welche später wichtige Stützen im deutschen Fußball wären. Wenn Herr Holzhäuser das mit der Super-Bayer AG im Rücken nicht schafft, dann ist das sein Problem und nicht das Problem des FC Bayern, welcher von allen deutschen Fußballclubs das Meiste richtig macht. Das Gleiche gilt für andere Clubs ebenso. Also lieber Herr Holzhäuser, bitte verschonen Sie uns mit Ihrer Sehnsucht nach der deutschen Fußballmeisterschaft. Es gibt pro Saison in ganz Deutschland mehr als 25.000 Vereine, welche nicht die deutsche Meisterschaft gewinnen.

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